"Der Standard" Kommentar: "Saufen, nüchtern gesehen" (von Martina Salomon)

Ausgabe vom 23.5.2000

Wien (OTS) - Es war im Sommer 1997. Damals bot die ÖVP bei der Abstimmung über 0,5 Promille im Parlament ein ziemlich peinliches Schauspiel und stimmte - teilweise wider besseres Wissen - dagegen. Innenminister Ernst Strasser hat hier eine erfreuliche Kurskorrektur vollzogen. Offensichtlich steht auf seiner Prioritätenliste der Opferschutz weiter oben als das Interesse der Heurigenwirte. Alkohol am Steuer gilt in Österreich seit jeher als Kavaliersdelikt, mit dem man(n) sich gerne brüstet. Beim Zeltfest gilt als Weichei, wer nicht mehrere Maß kippt. Und noch ein paar Schnäpse oder dubiose Mischgetränke. Letztlich sind es oft unglaubliche Alkoholmengen, die da zusammenkommen. "25 Cola Rot" gab beispielsweise ein erwischter Bursche an. Die Alkoholikerkarriere hat begonnen. Er wird gelegentlich ertappt, hat kleinere Unfälle. Manche Ehefrauen bitten bei der Behörde, ihren Männern nicht mehr den Führerschein zu geben, damit nichts Schlimmeres passiert. Vergeblich. Der Trinker ist schließlich ortsbekannt. So wie jener Burgenländer, der kürzlich mit 2,24 Promille eine Großmutter mit Kinderwagen niedermähte. Das Baby starb. Könnte sein, dass ein Punkteführerschein diesen Tod verhindert hätte. Dem Pensionisten war bereits viermal der Führerschein wegen Trunkenheit abgenommen worden: genügend "Punkte", damit das Papier kassiert bliebe. Der Mann hätte sich einem größeren Psychotest unterziehen müssen. Ein Entzug wäre das Mindeste gewesen, um jemals wieder an den Führerschein heranzukommen. Im Vorjahr gab es 1079 Verkehrstote. 38 Prozent davon wegen zu hoher Geschwindigkeit. Unter Alkoholeinfluss rast es sich gleich doppelt so leicht. Verantwortliche Politiker, die da wegschauen, machen sich mitschuldig.

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