LIF-Bolena kritisiert Drogensituation in Wien

Ein Jahr Wiener Drogenkonzept bringt kaum Verbesserungen

Wien (OTS) Kritik an der aktuellen Drogensituation in Wien übte heute Alexandra Bolena, Sozialsprecherin der Wiener Liberalen. "Trotz des vor fast einem Jahr im Gemeinderat beschlossenen Wiener Drogenkonzepts hat sich in der Drogenarbeit nicht viel verändert:
Der prognostizierte Rückgang von sogenannten Drogentoten hat sich nicht bestätigt, die bestehenden Drogenhilfeeinrichtungen können weiterhin nicht zielorientiert arbeiten, sondern sind vom politischen Gutwillen der Stadtregierung abhängig, und neue, differenzierte Angebote können trotz akuter Notwendigkeit nicht etabliert werden", nannte Bolena konkrete Kritikpunkte.

Wiens Weg in der Drogenpolitik habe natürlich auch Erfolge zu verbuchen. Diese sollten jedoch nicht als Legitimation dafür dienen, eine weitere Auseinandersetzung mit aktuellen drogenpolitischen Fragen zu bremsen. "Und dass es bei uns (noch) keine offene Drogenszene gibt, ist keine Leistung der Stadtregierung, sondern eine Leistung engagierter MitarbeiterInnen der Wiener Drogenhilfseinrichtungen", so Bolena.

So zeigte eine von Contact/MA15 gemeinsam mit der Notaufnahme des Wiener AKH durchgeführte Studie krasse Mängel der Wiener Drogenpolitik auf: Rund zwei Drittel der Befragten, die wegen Überdosierung eingeliefert wurden, gaben direkt oder indirekt einen Selbstmordversuch zu. Dies ist ein Indiz dafür, dass die psychosoziale Versorgung von Menschen, die illegale Drogen konsumieren, nicht ausreichend ist. Die Studie belegt auch, dass nur 27 % der Befragten über einen Wohnplatz verfügen. "Das in diesem Zusammenhang im Rahmen des Maßnahmenpakets dargestellte Angebot von 18 betreuten Wohnplätzen ist bei weitem nicht ausreichend. Ein Antrag der Liberalen, raschest für eine Ausweitung dieses Angebots Sorge zu tragen, wurde erst letzte Woche von Stadträtin Laska abgelehnt", kritisierte Bolena.

Auch der Jahresbericht 1999 der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht stelle der Wiener Drogenpolitik kein gutes Zeugnis aus. Im europäischen Vergleich gesehen leiden rund 80 % der in Wien lebenden "Junkies" an Hepatitis C. Von Seiten der Verantwortlichen sei allerdings immer wieder versichert worden, dass der intravenöse Drogenkonsum nur eine untergeordnete Rolle spiele. Eine halbe Million getauschter Spritzen allein in Wien im Jahr 1998 (Zahlen des Vereins Wiener Sozialprojekte) sprechen jedoch eine andere Sprache.

"Jene Menschen, die unter der Drogensituation in Wien leiden - seien es Betroffene, Angehörige, Freunde oder Fachleute - erwarten sich eine zielorientierte Drogenpolitik", so die liberale Sozialsprecherin. Entsprechende Vorschläge der Drogenberatungseinrichtungen, wie z.B. Gesundheitsräume oder der Ausbau des Projekts "Check it", sollten daher ernsthaft diskutiert werden. "Gerade in Fragen der Drogenpolitik sollte ein sachorientierter, pragmatischer Zugang im Vordergrund stehen. Schließlich geht es hier um Menschenleben und nicht um Ideologien", so Bolena abschließend.

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