"Neue Zeit" Kommentar: "Rote Karte" (von Günther Gruber)

Ausgabe vom 21.5. 2000

Graz (OTS) - Die Arbeiterkammer-Wahlen zeigen, auch wenn in der Steiermark ab heute noch gewählt wird, dass die Belastungswelle für die Arbeitnehmer im Land und die Tendenzen zur Zerschlagung ihrer Vertretungen eine klare Antwort bekommen.: Die "rote Karte", wie es die sozialdemokratischen Gewerkschafter gestern in ihrer Freude über den Wahlsieg in Wien und Niederösterreich nannten (siehe Seite 6). Dies allein auf die Oppositionspolitik der SPÖ zurückzuführen, wäre jedoch ein Fehler. Ein großes Maß zu den Ergebnissen der AK-Wahlen haben die massiven Angriffe der Regierung gegen diese institutionelle und traditionelle Arbeitnehmervertretung beigetragen. Die Wähler haben die berechtigte Befürchtung, die schwarz-blaue Koalition will die effizienteste Vertretung ihrer Interessen im Handstreich "killen". Dagegen setzen sie sich mit aller Deutlichkeit zur Wehr. Dennoch weisen die AK-Wahlen auch einen gesamtpolitischen Trend in Österreich aus. Die FPÖ, die sich aus der Oppositon heraus immer lautstark selbst zum Vertreter des "kleinen Mannes" ernannt hatte, prügelt eben diesen "kleinen Mann" als Regierungspartei gnadenlos. Umgekehrt hat die SPÖ sich ihrer Wurzeln besonnen und die soziale Kompetenz im Land zurückerobert.

Es scheint, als würden Jörg Haider selbst beim Schummeln langsam die Trümpfe ausgehen. Um der schwarz-blauen Regierung jedoch das Bummerl anzuhängen, wird die SPÖ mehr brauchen als die "rote Karte" bei den Arbeiterkammer-Wahlen.

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