"Neue Zeit" Kommentar: "Das Fenster" (von Litsa Kalaitzis)

Ausgabe vom 20.. 5. 2000

Graz (OTS) - Alexander van der Bellen lehnte die Einladung des belgischen Außenministers zum Gespräch nach reiflicher Überlegung als ehrenvoll, aber sinnlos ab. Bilaterale Gespräche nützten nichts mehr, um die verfahrene Situation zu retten, macht der Chef der Grünen vor allem auch aus einer begründeten Sorge kein Hehl: Er will nicht erneut von der Regierung als "Österreich-Vernaderer" beschimpft werden, wenn die Reise keinen Erfolg bringt. Eine Befürchtung, die SP-Chef Alfred Gusenbauer locker vom Tisch wischt: Wenn die Möglichkeit zum Gespräch als Vernaderung bezeichnet würde, sei das für ihn nur ein weiterer Beweis für die Einschränkung der Meinungsfreiheit durch die Regierung. Alfred Gusenbauer nimmt die Einladung in die EU-Hauptstadt aber vor allem deswegen an, weil es nach dem Versagen der Regierung jetzt Aufgabe der größten Partei Österreichs sei, den Dialog zu suchen. Die Bemühungen der Außenministerin auf den Azoren hätten zwar zu einem Tauwetter geführt, seit der Bundeskanzler die "Causa prima" aber zu seiner Chefsache erklärt habe, "schließt sich jedes Fenster wieder, das sich geöffnet hat." Die Latte seines Erfolges hat sich Gusenbauer aber denkbar niedrig gelegt: "Ich betrachte meine Reise dann als Erfolg, wenn in Deutschland und Belgien die Bereitschaft signalisiert wird, über die fünf Punkte nachzudenken." Dafür braucht der belgische Außenminister sein Fenster nicht einmal einen Spalt aufzumachen.

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