WirtschaftsBlatt über eine Stromlösung Dr. Joe im gruseligen Strom-Kabinett von Gerald Stefan

Kommentar 20.5.2000

Wien (OTS) - Die Oberösterreicher honorieren Politiker, die ihnen nahe sind. Und sie mögen die in fernen Marmorkammern eher nicht -seien sie nun in der Bundeshauptstadt Wien oder der Landeshauptstadt Linz zu finden. Oberösterreichs Landeschef Josef Pühringer weiss das. Nicht umsonst liess der Ex-Lehrer seinen Spitznamen "Dr. Joe" prominent auf die Plakate zur letzten Landtagswahl drucken. Doch Bürgernähe und Erreichbarkeit allein helfen Pühringer bei seiner aktuellen Causa Prima nicht weiter. Denn jetzt geht es darum, seinen Landes-Energieversorger Energie AG zu verkaufen - und damit, ganz nebenbei, die Weichen für die Neuordnung der gesamten österreichischen Stromwirtschaft zu stellen. Die beiden konkurrierenden Strom-Allianzen rund um den Verbundkonzern einerseits und die niederösterreichische EVN andererseits rittern um die Energie AG als integralen Bestandteil ihrer jeweiligen Allianzen. Pühringer hätte noch Glück, wenn er nur in diesem Zwiespalt allein entscheiden müsste. Doch das Problem ist noch viel grösser. Dr. Joe hat sich nämlich schon recht genau festgelegt, wieviel Geld die Energie AG denn wert ist. Fünf, sechs Milliarden für jenes Viertel, das zum Verkauf steht. Mehr, als die Österreicher allein zu zahlen bereit sind. Und die Ausländer, die gerne beim Erwerb behilflich wären, dürfen nicht bieten. Daher versuchen sie es als Bündnispartner der heimischen Stromkonzerne - wie die französische EdF, die beim Verbund-Partner Estag mit an Bord ist. Pühringer würde den Ausländern seine Stromfirma nun durchaus gern verkaufen. Doch das darf Dr. Joe nicht, ein Landtagsbeschluss verbietet es ihm. Der oberösterreichische Landeschef tut angesichts dieser Zwickmühle das Vernünftigste: Er verschiebt die Entscheidung. Mit dem Preis runtergehen kann Pühringer nämlich gar nicht: All die schönen Milliarden sind längst in den oberösterreichischen Landesbudgets der kommenden Jahre eingeplant - als die eine oder andere Strasse bzw. Förderung. Alles löbliche Projekte, die die Oberösterreicher ihrem Landeschef zweifellos geneigt stimmen werden. Dr. Joe kann daher nur eines hoffen. Dass seine Klientel dabei vergisst, dass durch zu langes Pokern alle Österreicher ein Problem bekommen - weil es ihnen naturgemäss nicht egal sein kann, ob ihre teilstaatliche Stromfirmen zu den zum Überleben nötigen starken Bündnissen finden - oder nicht. (Schluss) gst

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