"Neue Zeit" Kommentar: "Unser Anliegen" von Peter Kolb

Ausgabe vom 19.4.2000

Graz (OTS) - Warum der Abbau sowohl bei der Zahl der Zivildienern als auch bei deren Bezahlung von der Regierung Reform genannt wird, ist nicht nachvollziehbar. Dass gerade der erste Ex-Zivildiener in einer österreichischen Regierung, Innenminister Ernst Strasser, den Kahlschlag zulässt, ist dabei nur noch Ironie. Strasser als zuständiger Ressortchef dürfte wohl gegenüber Sparminister Karl-Heinz Grasser keine sehr harten Standpunkte eingenommen haben. Die Hoffnung, Strasser könnte ein Lobbyist für Anliegen sein, die im Grunde unser aller sind, hat sich nicht erfüllt. Unsere Anliegen nämlich, wenn wir alt oder krank werden. Bei Menschen, die ohnehin schon einen längeren Zeitraum ihres Lebens als Präsenzdiener für die Allgemeinheit opfern, wurde rigoros der Sparstift angesetzt. Bei Tätigkeiten, die nicht rationalisierbar sind - weil Alten- oder Krankenpflege eben einen ganzen Menschen rund um die Uhr am Tag erfordern. Bei diesen Bereichen der Fürsorge füreinander, die für einen zivilisierten Staat eigentlich moralische Verpflichtung sein sollte und nicht eine Frage der Wirtschaftlichkeit, ging die Regierung an jene Grenze, an der der Betrieb gerade noch aufrecht zu erhalten ist - bei der Zuteilung von Zivildienern für Rettungswesen etwa. Wo diese Regierung aber den Sparbedarf sieht, ist bezeichnend für ihre Einstellung, die weder eine christliche noch eine soziale sein kann: bei der Sozial- und bei der Behindertenhilfe. Da wurden nahezu alle Zivildienerstellen gestrichen.

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