WirtschaftsBlatt über die EU-Sanktionen EU-Sanktionen sind fast ein Geschenk an Österreich von Erwin Frasl

Wien (OTS) - Zwischen Unterwürfigkeit und Aufgeblasenheit gegenüber der Europäischen Union schwankt die Haltung der heimischen Politiker, wenn es um die Sanktionen der EU-Mitgliedsländer gegenüber Österreich geht. Das zeigt sich an den jüngsten politischen Betteltouren im Ausland ebenso wie an den aktuellen Äusserungen des Kärntner Landeshauptmannes, der gegenüber der EU immer wieder auf Konfrontationskurs gehen möchte. Dabei sind die Sanktionen beinahe ein Glück im Sinne Torbergs Tante Jolesch. Wie nie zuvor ein Ereignis machen sie die Schwachstellen Österreichs sichtbar. Vieles geht offenbar auch ohne Österreich - in der EU und weltweit. Immerhin wurde das Land von einer Sekunde auf die andere die Lieblingsrolle als Insel der Seligen oder Brücke zwischen Ost und West entzogen, als es für einzelne EU-Länder - wie etwa Frankreich - machtpolitisch opportun war. Schmerzvoll wurde klar, dass Staaten keine Freunde, sondern ausschliesslich Interessen haben. In Österreich glaubte man bisher offenbar, dass es ausreichend sei, möglichst viele internationale Politiker bei Opernball, Salzburger Festspielen oder anderen Festen zu verwöhnen. Vergessen wurde, dass in den Beziehungen zu anderen Staaten ausschliesslich die Leistungskraft eines Landes zählt. Wir müssen uns schlicht fragen, was können wir, was andere nicht können? Liegen die österreichischen Universitäten im internationalen Spitzenfeld? Können die Unternehmen unseres Landes Waren und Dienstleistungen anbieten, die in dieser Qualität sonst niemand liefern kann? Sorgt der Finanzsektor inklusive Börse dieses Landes dafür, dass die Wirtschaft mit ausreichend Kapital zu wettbewerbsfähigen Kosten versorgt werden kann? Bringt das Bildungssystem genügend moralisch und fachlich hochqualifizierte Unternehmer, Manager und Politiker hervor, die auch für jene internationalen Schlüsselpositionen gesucht sind, die ganz wesentlich über den weltweiten Stellenwert Österreichs entscheiden? Wie sehr sind wir international Trittbrettfahrer - etwa in der Sicherheitspolitik? Die Antworten auf diese Fragen werden bitter ausfallen. Aber es sind die Schlüsselfragen, mit denen sich das Parlament befassen und Antworten finden muss, die Österreichs Ansehen stärken. Mit Image-Kampagnen und Bittprozessionen im Ausland allein ist kein Staat zu machen. (Schluss) ejf

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