Schlingensief über seine Festwochen-Aktion "Tötet Europa" mit "Big brother"-Container in der Wiener Innenstadt VORAUSMELDUNG NEWS 20/00 v. 18.5.00

Wien (OTS) - Christoph Schlingensief, soeben in Graz wegen des Sprechchors "Tötet Schüssel" schwer umstritten und vom Staatsanwalt verfolgt, wird seine Wiener Festwochenaktion (9. bis 16. Juni an einem noch unbekannten öffentlichen Platz in der Wiener Innenstadt) unter die Titel "Bitte liebt Österreich" und "Tötet Europa", stellen. Das verrät Schlingensief in der morgen erscheinenden Ausgabe des Wochenmagazins NEWS.

Schlingensief zu den Details: "Wir befinden uns im "Big Brother"-Österreichcontainer. Österreich sitzt im Container, und die Welt schaut zu, und wie bei "Big Brother" erfährt man nichts, je länger man drauf kuckt. Europa führt Österreich als sprachloses Volk vor, wo ja sogar Autoren ihre Stücke zurückziehen, um das noch stärker zum Ausdruck zu bringen. Es gibt in meinem Projekt auch ein Verbundsystem der Asylbewerber, und man kann täglich über Internet oder Telefon einen von ihnen rauswählen und wirklich des Landes verweisen: Die Vorschläge einiger Politiker auf brutalste Art beim Wort genommen. Der Unterschied zum Leben ist aber, dass man im realen Leben nicht anrufen kann, wenn man z. B. Herrn Haider aus dem Land wählen will. Aber vielleicht ist es ohnehin besser, man wählt die Leute heraus, die man vor Haider retten will." Die EU-Sanktionen seien Ablenkungsmanöver von Ländern, die selber "in der großen Rechtssoße zu verschwinden drohen."

Sprechchöre wie "tötet Haider" oder "tötet Schüssel" werde es nicht geben. Das habe er Festwochen-Chef Luc Bondy zugesagt. "Außerdem lege ich großen Wert darauf, was ich in einem Theater rufe und was in der Einkaufszone."

Zum Mord an Schüssel habe er nie aufgerufen, sondern lediglich sich selbst und seinen Sprechchor "Tötet Kohl" persiflierend paraphrasiert. Sollte jemand tatsächlich gewalttätig gegen Schüssel vorgehen, "dann geschieht das unter Mitwirkung des ORF und aller Zeitungen, die verzerrend über meine Arbeit berichten und mit einem Verbrechen kokettieren. Ich habe nie zum Mord aufgerufen, und es ist nicht auszuschließen, dass jemand die Völkerhassaufrufe von Herrn Haider ernster nimmt als meine Arbeit."

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