Maringer: Regierung lässt keinen Stein auf dem anderen!

Metallerjugend sieht gute Ausbildung gefährdet

Wien (Gewerkschaft Metall - Bergbau - Energie/ÖGB) "Wenn sich das Demokratie- und das Konsensverständnis, das die Bundesregierung bisher an den Tag gelegt hat, bei der Bestellung des neuen ÖIAG-Aufsichtsrates fortsetzt, dann wird es den bisherigen Weg von Zusammenarbeit und Konsens dort nicht mehr geben", sagt Albert Maringer, Vorsitzender der Metallerjugend und der Österreichischen Gewerkschaftsjugend.++++

"Die Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsräten achten auch darauf, dass die Jugendlichen qualifizierte Ausbildung und dadurch sichere Jobs bekommen", sagt der Metaller-Jugendvorsitzende. Bisher seien die Aufsichtsräte im ÖIAG-Bereich immer auf Konsens aus gewesen, die allermeisten Beschlüsse seien einstimmig zustande gekommen. "Wenn dem neuen Vorsitzenden aber nicht der Konsens, sondern Mehrheitsentscheidungen wichtig sind, dann werden die Arbeiter die Verlierer sein, dann wird über die Einwände und Vorschläge der Arbeitnehmervertreter einfach drübergestimmt." Wenn es zum Beispiel darum gehe, den Börsegang zu beschleunigen, werde der große Kostenfaktor Ausbildung sicher einer der ersten sein, über den der Rotstift fahren werde. "Aus kurzsichtigen Interessen wird man über die Interessen der tausenden Jugendlichen drüberfahren."
Maringer kritisiert auch, dass der Vorstand Aufsichtsräte jederzeit abberufen kann "wie es ihm passt. Er beraubt sich damit selbst einer kritischen, konstruktiven Stimme".

An die 1500 Jugendlichen erlernen allein im ÖIAG-Bereich Metallberufe, im Eisenbahnbereich sind es mehr als 1300. Tausende Schülerinnen und Schüler erlangen jährlich in Ferialjobs in den ÖIAG-Betrieben die für ihre berufliche Zukunft so wichtigen praktischen Erfahrungen. "Die ÖIAG-Betriebe tragen damit nicht nur zur Stärkung der Wirtschaft unseres Landes insgesamt bei", sagt Maringer. "Sie übernehmen auch wichtige Funktionen in der Jugendausbildung, bieten qualitativ hochwertige Ausbildungs- und Arbeitsplätze an und sorgen damit für gute Jungfacharbeiter." Dass diese jungen Menschen etwas können, beweise die Tatsache, dass sie bei den Lehrlingsolympiaden regelmäßig die vordersten Plätze belegen. "Eine gute Ausbildung hat außerdem auch eine soziale Funktion für die jungen Menschen", sagt Maringer. "Zukunftsängste werden kleiner und das Selbstwertgefühl steigt."

Sollten die schwarz-blauen ÖIAG-Pläne in dieser Form Wirklichkeit werden, sieht die Metallerjugend massive Verschlechterungen auf die heimische Ausbildungssituation zukommen. "Ausländischen Konzernen, die vielleicht ohnehin die Verlagerung in ihr Heimatland überlegen, wird es egal sein, ob die österreichische Jugend gut ausgebildet ist, wenn sie nicht vorhat, auf die ausgelernten Facharbeiter zurückzugreifen", meint Maringer.

"Auch wenn Kanzler und Vizekanzlerin hübsche bunte Puzzlesteine aufkleben: Es gibt wohl kaum einen Bereich, in dem diese Regierung einen Stein auf dem anderen lässt, das ist bei der ÖIAG nicht anders", so Maringer weiter. "Kranke, Alte, Frauen, Pensionisten, Jugendliche, Lehrlinge - die berühmten ‚kleinen Leute‘ sollen dafür bezahlen, was die Regierung gerne den Unternehmen schenken möchte. Anstatt aber gut ausgebildete Facharbeiter und stabile Industriekerne als Geschenk an die Wirtschaft des Landes anzusehen, sollen gut gehende Unternehmen verkauft und der geringste Einfluss des Staates auf die Industriepolitik im Land aufgegeben werden."

ÖGB, 17. Mai 2000

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