Grillen: Schwere Verletzungen durch Spiritus und Benzin Die Grillsaison beginnt: An schönen Sommertagen werden überall in Österreich Würstchen, Steaks und Hühnchen auf den Rost gelegt.

Wien (OTS) - Jedes Jahr endet das Grillvergnügen für rund 1000 Personen mit Verletzungen, die im Spital behandelt werden müssen, jedes dritte Opfer erleidet Verbrennungen. =

2/3 der Unfallopfer beim Grillen sind Männer: Hände
weg von Spiritus oder Benzin

Risikogruppe Nummer eins sind Männer: Etwa 2/3 der Opfer, die sich auch heuer wieder beim Grillen verletzen werden, sind männlich und im Alter von 20-40 Jahren. Sie neigen eher dazu, Spiritus oder Benzin auf den Grill zu schütten, damit die Kohlen schneller abbrennen. Diese Ungeduld wird schätzungsweise 80 Personen schnurstracks ins Spital bringen:

Stichflammen können entstehen und die übermütigen Köche riskieren Verbrennungen im Gesicht, am Oberkörper und an den Armen. Diese Verletzungen hinterlassen in der Regel lebenslange Narben.

Bei der Verwendung von Spiritus oder Benzin kann es außerdem zu gefährlichen Verpuffungen kommen: Die Flüssigkeit verdampft durch die glosenden Kohlen zu einem hochexplosiven Dampf-Luftgemisch, das sich schnell ausbreiten kann und leicht entzündet. Durch die Explosion können Personen verletzt werden, die bis zu zwei Meter vom Grill entfernt stehen.

Zu Brandwunden führen auch heiße Teile des Grillers, etwa Gillspieße oder auslaufendes Fett, das sich in der Glut entzündete. Durch Funkenflug sind vor allem die Augen gefährdet.

Das Institut "Sicher Leben" empfiehlt zum Anzünden der Grillkohle langstielige Zünder mit Reibkopf, Anzündwürfel oder Gelkonzentrate aus gereinigten Paraffinen und warnt vor Leichtsinn und Ungeduld beim Grillen.

Sommerbekleidung mit fatalen Folgen

Auch der Versuch, stark rauchende Griller wegzustellen, führte immer wieder zu Verletzungen. Da die meisten Personen dabei nur kurze Hosen und T-Shirts trugen, kamen gerade Unterarme und Oberschenkel mit heißen Grillerteilen oder verschütteten Fett in Berührung.

Starker Rauch entsteht meist, wenn Fleisch über einer Glut liegt, die noch nicht vollständig niedergebrannt ist. Durch die übermäßige Hitze tropft Fett in das Feuer und entzündet sich.

Geduld und Fingerspitzengefühl

"Zum Grillen braucht man neben Erfahrung und Fingerspitzengefühl vor allem Geduld. Es dauert eben einige Zeit, bis eine weiße Ascheschicht auf der Holzkohle die ideale Grilltemperatur anzeigt. Wer zum Spiritus greift, um schneller zu Steaks oder Grillwürstchen zu kommen, sollte besser den Mikrowellenherd verwenden", sagt Dr. Rupert Kisser, Leiter des Institutes "Sicher Leben".

"Sicher Leben"-Tips: Feste Zündhilfen verwenden

Niemals Spiritus oder Benzin zum Anzünden verwenden oder in die Glut gießen. Am sichersten sind feste Zündhilfen. Anzündmittel, die den Sicherheitsnormen entsprechen, sind mit der Bezeichnung ÖNORM EN 1860 bzw. DIN 66358 versehen. Keinesfalls Anzünder für Ölöfen verwenden (giftige Rauchinhaltsstoffe) ö

Gute Anzündhilfen bieten Anweisungen für den richtigen Gebrauch. Dazu zählt Angaben über die erforderliche Menge Anzündhilfe und die Art, wie die Grillanzündhilfe an die Holzkohle gebracht werden soll

Griller stabil auf ebenen Boden stellen und während des Betriebes nicht verschieben. Nicht in geschlossenen Räumen oder unter Sonnenschirmen verwenden.

Auf Funkenflug achten: Brandgefahr!

Nur Holzkohle mit einer weißen Ascheschicht hat die richtige Temperatur für gleichmäßiges Grillen. Wenn es qualmt, ist die Glut noch zu heiß und Fett kann sich entzünden. Dabei können Fettbrände entstehen

Während des Grillens keine Kohle nachlegen. Solange die Grillkohle durchbrennt, werden Gase frei, die nicht an das Gargut gelangen sollen

Fettspritzer sind schmerzhaft. Zum Umdrehen des Fleisches daher Grillbesteck verwenden. Grillhandschuhe, -schürze sowie praktisches Grillzubehör wie Zangen oder Spieße machen das Freizeitvergnügen sicherer.

Erste Hilfe bei Brandverletzungen
- Brandwunden gut mit Wasser kühlen.
- An der Haut anklebende Kleider nicht gewaltsam entfernen. Anklebende Stoffstücke umschneiden
- Brandwunden keimfrei, am besten mit metallbeschichteten Stoffen (Brandwunden-Verbandspäckchen) abdecken
- Kein Öl, Pulver oder Mehl auf die Brandwunde geben. Diese sogenannte Hausmittel können mehr schaden als nützen ö

44.000 Interviews im Dienste der Produktsicherheit

Die Auswertung zu Unfällen im Haushalt basiert auf Daten des Unfallerhebungssystemes für Heim-, Sport- und Freizeitunfälle EHLASS. Das Institut "Sicher Leben" erhebt in Kooperation mit dem Gesundheitsministerium und dem Büro für Konsumentenschutz im Justizministerium die österreichischen Daten für dieses europäische Unfallerhebungssystem. Eigens für EHLASS angestellte und geschulte Interviewer sprechen in vier österreichischen Spitälern mit ambulant und stationär behandelten Unfallopfern, die sich im Haushalt, beim Sport oder in der Freizeit verletzt haben. EHLASS ermöglicht so nicht nur, gefährliche Produkte zu erkennen und gegebenenfalls vom Markt abzuziehen, es ist vor allem auch ein System, um Unfallzusammenhänge zu untersuchen und damit Informationen zur laufenden Verbesserung von Produkten zu gewinnen. Derzeit stehen rund 44.000 Interviews zur Verfügung.

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Mag. Thomas Lettner,
Tel.: 01-71770 DW 158,
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