"Neue Zeit" Kommentar: "Kein Thema" (von Litsa Kalaitzis)

Ausgabe vom 13. 5. 2000

Graz (OTS) - Bist Du hässlich, fett, krank oder fremd in diesem Land, - hast Du den Wehrdienst verweigert oder eine Freundin mit, die weder schön noch still ist, kurz: bist Du auf irgendeine Weise abnormal, dann bleib lieber zu Hause, Du würdest sowieso nicht eingelassen werden."

Eine Einladung der Burschenschaft Olympia, die der Grüne Kurt Grünewald gestern im Parlament zitierte, um während der Budgetdebatte zum Thema Wissenschaft darauf aufmerksam zu machen, dass der Vorsitzende des Wissenschaftsausschusses, Martin Graf (FP), dieser Burschenschaft angehört. Für besonders glücklich halte er es nicht, wenn in Zeiten wie diesen, wo ganz Europa auf unser Land schaut, ein Mensch "mit so einer Gesinnung" den Ausschuss leitet, in dem es auch um Bildung geht, meint Grünewald. Sein Parteikollege Karl Öllinger fragte Graf, ob er noch hinter seinem beim Burschentag der deutschen Burschenschaften gestellten Antrag zum Schutz gegen die "Unterwanderung des deutschen Volkes" stehe. In den blauen Reihen reagierte man ungehalten, und auch mehrere VP-Abgeordnete schlossen sich dem lautstarken Protest an: "Das ist nicht Thema!" Dass genau Menschen "mit so einer Gesinnung" wie der Abgeordnete Graf das Thema der EU-Sanktionen sind, die auch nach 100 Tagen schwarz-blauer Koalition jede innenpolitische Veranstaltung überschatten, das interessiert die Regierung offensichtlich nicht. Und genau deswegen besteht die Gefahr, dass ein Ende der Sanktionen in weiter Ferne ist.

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