Ärzte und Sportler starten Informationsoffensive

"Bewegung gegen Arthroseschmerz": Neue Hoffnung durch einen passenden Lebensstil und moderne Therapien

Wien (OTS) - Rund 500.000 Österreicher leiden heute an schmerzhaften Abnützungen der Gelenksknorpel. Die neu gegründete "Bewegung gegen Arthroseschmerz", in der sich Ärzte, Sportler und Patienten engagieren, hat sich das Ziel gesetzt, möglichst viele Arthrose-Kranke über den richtigen Lebensstil und geeignete Behandlungsmöglichkeiten zu informieren.

Bereits mehr als sechs Prozent der Österreicher leiden heute an Arthrose, einer sehr schmerzhaften, durch die Abnützung der Gelenksknorpel hervorgerufen Form von Rheuma. Weil die Behandlung der Arthrose nicht immer einfach und komplikationslos ist, haben sich jetzt namhafte Persönlichkeiten aus Medizin und Sport gemeinsam mit Arthrose-Patienten in der "Bewegung gegen Arthroseschmerz" zusammengefunden. Das Ziel dieser Initiative ist es, von Arthrose betroffene Menschen über die neuen Behandlungsmöglichkeiten ihrer Krankheit zu informieren, aber auch über zahlreiche andere praktische Probleme, die sich bei einem Leben mit Arthrose stellen. Über die Hotline (01) 319 82 21 können Interessierte nicht nur die Broschüre "Aktiv trotz Arthrose" mit grundlegenden Informationen zum Thema bestellen, sondern auch ein Gespräch mit einem Rheumaexperten vereinbaren.

"Bei Arthrose wird die Knorpelschicht, die die Enden der Knochen in einem Gelenk schützen sollen, durch Überbeanspruchung geschädigt", erklärt Dr. Thomas Schwingenschlögl, Oberarzt an der Rheumaambulanz Wien-Oberlaa und Gründungsmitglied der "Bewegung gegen Arthroseschmerz". "Verursacht wird Arthrose durch einseitige Überbelastung der Gelenke, etwa durch Schwerarbeit oder falsch ausgeübte Sportarten." Dabei kann jedes Gelenk nach Art der Überbeanspruchung unterschiedlich häufig betroffen sein (siehe Grafik).

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat inzwischen die Bedeutung dieses Themas erkannt und deshalb die "Bone and Joint Decade 2000 - 2010" ausgerufen, das Jahrzehnt der Knochen und Gelenke. "Wir schließen uns der Initiative der WHO an", sagt Dr. Schwingenschlögl. "Gerade wir Rheumaexperten wissen, wie viel unnötiges Leid diese Erkrankung mit sich bringt."

Früherkennung kann viel Leid ersparen

"Gerade bei Arthrose ist die Früherkennung ungemein wichtig, um die Krankheit in den Griff zu bekommen", erklärt Univ.-Prof. Dr. Axel Wanivenhaus, Stellvertretender Leiter der Universitätsklinik für Orthopädie in Wien. "Neben dem Screening Neugeborener und schulärztlichen Kontrollen sollte die Präventivtherapie auch Gesundenuntersuchungen und die Arbeitsplatzoptimierung umfassen." Besonders wichtig sei die rechtzeitige operative Korrektur von angeborenen oder erworbenen Fehlstellungen der Gelenke, wie die berühmten X- oder O-Beine. "Auch falsch behandelte Verletzungen wie Knochenbrüche oder Bänderrisse belasten die Gelenke einseitig und können die Ausbildung einer Arthrose begünstigen", sagt Prof. Wanivenhaus.

Problematische medikamentöse Behandlung

Erkrankt jemand trotz aller Vorsichtsmaßnahmen an Arthrose, so steht in der Behandlung die Bekämpfung der als Folge der Knorpel-Abnützung meist auftretenden Entzündung gemeinsam mit der Linderung der Schmerzen im Vordergrund. Die oft unerträglichen Schmerzen werden durch den direkten Kontakt und das Scheuern der Gelenksknochen aneinander hervorgerufen.

Doch die gegen Arthroseschmerz gut wirksamen herkömmlichen Medikamente, die so genannten "Nichtsteroidalen Antirheumatika" (NSAR), werden von vielen Patienten nicht problemlos vertragen: Eine nicht unbeträchtliche Gruppe erleidet Magen-Darm-Probleme bis hin zu gefährlichen Magenblutungen. Das Risiko solcher unerwünschten Wirkungen muss häufig durch entsprechende magenschützende Präparate vermindert werden.

"An den Nebenwirkungen von Schmerzmitteln dieser Gruppe sterben in den USA jährlich über 16.000 Menschen", schlägt Univ.-Prof. Dr. Heinz Hammer von der Medizinischen Abteilung der Universitätsklinik in Graz Alarm. Umgerechnet auf österreichische Bevölkerungszahlen müsse mit etwa 450 Todesfällen pro Jahr gerechnet werden. "Das Wissen um erhöhte Risikofaktoren wie vorangegangene Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüre ist im Einzelfall oft wenig hilfreich, da Komplikationen bei prinzipiell jedem Patienten schon nach kurzer Behandlungsdauer auftreten können", weist Prof. Hammer auf die praktischen Probleme bei der Behandlung hin. "Dazu kommt, dass lebensbedrohliche Komplikationen sehr häufig aus ,heiterem Himmel' auftreten können, also ohne vorangehende Warnsymptome wie zum Beispiel Bauchschmerzen."

Warum NSAR so gefährlich sein können, erklärt Dr. Susanne Sieghart, Oberärztin an der Zweiten Medizinischen Abteilung des Wiener Kaiserin-Elisabeth-Spitals: "Diese Medikamente bekämpfen lokale Entzündungen, indem sie ein Enzym, die Cyclooxigenase oder COX, blockieren." Dieses ist für die Synthese von Prostaglandinen verantwortlich, die Schmerz und Fieber auslösen. In Magen und Darm schützt dieses Enzym allerdings die Schleimhäute. "Durch die NSAR wird auch die COX im Magen unterdrückt und damit der Magenschutz zerstört", so Dr. Sieghart.

Neuartige Medikamente fast ohne Nebenwirkungen

Allerdings stehen heute auch hochwirksame neuartige Antirheumatika zur Verfügung, die diesen unerwünschten Effekt nicht aufweisen. 1992 wurde nämlich entdeckt, dass COX aus zwei so genannten "Isoenzymen" besteht, COX 1 und COX 2. "Eine neue Medikamentenklasse, die Coxibe, wirken nun selektiv nur gegen COX 2, das für den Schmerz in von Arthrose betroffenen Gelenken verantwortlich ist", sagt Dr. Sieghart. Das "Schutzenzym" COX 1 wird nicht an seiner Arbeit gehindert.

In zahlreichen Studien wurde der neuen Substanzklasse eine genau so hohe Wirksamkeit in der Schmerzbekämpfung wie den herkömmlichen Antirheumatika attestiert. Dr. Sieghart: "Aber gleichzeitig traten auch bei Langzeiteinnahme nicht mehr Magen-Darm-Probleme wie in einer Placebo-Kontrollgruppe auf."

Ein geeigneter Lebensstil mit viel Bewegung

Die Schmerzen sind allerdings nur ein Problem, mit dem von Arthrose betroffene Menschen zu kämpfen haben. Besonders Aktive kommen zum Beispiel schwer mit der Einschränkung ihrer Bewegungsfähigkeit zurecht. "Wenn Menschen über Jahre regelmäßig mehrere Stunden täglich Sport betrieben haben und dann durch Arthrosen beinahe bewegungsunfähig geworden sind", sagt Mag. Sepp Zeilbauer, ehemaliger Weltklassezehnkämpfer und dreifacher Olympiateilnehmer, "dann führt dies oft zu Minderwertigkeitsgefühlen, Angstzuständen und Frustrationen bis hin zu depressiven Verstimmungen."

Wichtig ist jedoch, empfiehlt Mag. Zeilbauer, dass sie sich trotzdem gezielt bewegen, um die Nährstoffversorgung des Knorpels aufrecht zu erhalten. So könne die Arthrose an ihrem Fortschreiten gehindert werden. Vernünftig betriebener Ausgleichssport ist deshalb die beste Methode um die Entwicklung einer Arthrose zu verhindern oder zumindest zu verzögern. Bereits Erkrankte sollten ebenfalls nicht auf Sport verzichten. "Wichtig ist allerdings die Wahl der individuell richtigen Sportart", sagt Mag. Zeilbauer, heute Lehrbeauftragter für Bewegungslehre und Methodik am Institut für Sportwissenschaften der Universität Graz: "Nur richtig ausgeübter Sport garantiert Fitness und erhält die Lust an der Bewegung."

Hilfe durch Selbsthilfegruppen

Auch Daniela Loisl von der Österreichischen Rheumaliga hat Tipps und Informationen für Arthrose-Patienten: "Unsere Organisation, in der sich Betroffene und Selbsthilfegruppen zusammengeschlossen haben, unterhält rege internationale Kontakte, um immer auf dem neuesten Stand der Entwicklung auf diesem Gebiet zu bleiben." Loisl, die seit 1986 unter Rheuma leidet und sieben Jahre später eine Selbsthilfegruppe gegründet hat, kennt die Probleme, die fast alle Rheumatiker plagen: "Die meisten haben eine Odyssee durch die Wartezimmer verschiedenster Ärzte hinter sich, bis sie den passenden gefunden haben."

Die Rheumaliga will deshalb Rheumatikern Mut machen, trotz ihres Leidens ein erfülltes und aktives Leben zu führen: "Mit der richtigen Therapie kann, wenn sie rechtzeitig begonnen wird, beinahe jeder ein ganz normales Leben führen, ohne von ständig von Schmerzen geplagt zu sein", meint die Postamtsleiterin aus dem oberösterreichischen Aschach an der Donau.

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