"Neues Volksblatt" Kommentar: "Sie Trot &" (Von Christian Buchar)

Ausgabe vom 12. 5. 2000

Linz (OTS) - Wer die gestrige Sitzung des Nationalrats
mitverfolgte, konnte einmal mehr den Eindruck gewinnen: Die Zeiten, als das Parlament in weiten Teilen hohe und höchste Schule der Debattierkunst und sprachlicher Glanzlichter war, scheint vorbei (Ausnahmen bestätigen die Regel). Die geschliffene, teils zynische, teils ironische Formulierung wird durch das Schlagwort, durch humpe, dumpe, kurz, plumpe Anschuldigungen und Beschimpfungen ersetzt -auch, wenn es natürlich nicht so weit ist, wie hier im Titel angedeutet.

Diese Entwicklung den Politikern alleine anzulasten, wäre billig. Sie ist auch Ausdruck einer Mediengesellschaft, in der Schnelligkeit, der knappe Sager, das kantige Gegeneinander und damit Oberflächlichkeiten zu immer bestimmenderen Faktoren geworden sind. Das hingeworfene Schimpfwort verschlingt nun einmal weniger Sendezeit als, beispielsweise, pointierte Ironie - und es fesselt die Masse der Seher doch gleich viel mehr. Von ihrer besonderen Verantwortung, der Bevölkerung mehr zu bieten als hohle Killerphrasen und mäßig intelligente Verbalinjurien, werden Politiker, gleich, ob in Regierung oder Opposition, dadurch aber trotzdem nicht entbunden. Denn wo sprachliche Gewalt gesät wird, ist gesellschaftliche Verrohung oft nicht fern.

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