"Kleine Zeitung" Kommentar: " Holzhacker" (von Erwin Zankel)

Ausgabe vom 12.3.2000

Graz (OTS) - Wenn sich Politiker besorgt wegen der zunehmenden Verrohung der Sprache äußern, darf unterstellt werden, dass sie in Wahrheit diese Radikalisierung wollen. Man zeigt entrüstet auf den Übeltäter und kann bei dieser Gelegenheit gleichsam im Vorbeilaufen ein versteck tes Foul anbringen.

Als besonders putziges Beispiel für die Methode:"Haltet den Dieb!" zu rufen, um selbst kräftig aus zuteilen, ist der offene
Brief des blauen Klubobmannes an den Bundespräsidenten zu werten. Der Schiedsrichter in der Hofburg möge endlich eingreifen und auch den rot-grünen Raubeinen die gelbe Karte zeigen.

Selbst wenn er dies täte, würde die Verwarnung keine Wirkung zeigen. Die Holzhacker lassen sich von Sonntagsreden nicht zur
Umkehr bewegen. Die einzige Sanktion, die Politiker fürchten, ist das Desinteresse des Publikums. Das gilt für Beleidigungen von Personen ebenso wie für Entgleisungen in der Sache.

Wenn etwa die Erhöhung der Rezeptgebühr als Raubzug
der Abkassierer-Koalition in den Taschen kranker Menschen dargestellt wird, handelt es sich um eine maßlose Übertreibung.

Der Realitätsverlust zieht erfahrungsgemäß auch den Majoritätsverlust nach sich. ****

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