Unterrichtministerin als selbsternannte Gesellin

ÖGJ fordert verbesserte Lehrlingsausbildung

Wien (ÖGJ). Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer wird heute nachmittag am Stock im Eisenplatz in Wien symbolisch einen Nagel einschlagen. Damit soll der "Tag des Lehrlings" begangen werden. Am Stock im Eisenplatz hatten in der Vergangenheit die Wiener Schmiedgesellen nach bestandener Abschlussprüfung traditionell einen Nagel eingeschlagen. ÖGJ-Vorsitzender Albert Maringer bezweifelt, ob Gehrer in Fragen der Lehrlingsausbildung ihre Gesellenprüfung bestanden hat. Maringer: "Einen Nagel hat sie aber sicher auf den Kopf getroffen."++++

Die Bundesregierung will auch bei den Lehrlingen den Sparstift ansetzen und gleichzeitig den Lehrherren zusätzliche Förderungen in ihr Körberl werfen. So sollen Lehrverträge in Zukunft vom Lehrherrn leichter gekündigt werden, die Lehrlingsentschädigung während der Berufsschulzeit ruht, die Probezeit wird verlängert und die Behaltezeit nach Lehrabschluss verkürzt. Maringer: "Damit treffen Gehrer und die Bundesregierung nicht nur symbolisch einen Nagel, sondern die Lehrlinge insgesamt auf den Kopf."

Die Gewerkschaftsjugend fordert eine faire Finanzierung der Berufsausbildung durch einen Lastenausgleich zwischen Ausbildungsbetrieben und jenen die keine Lehrlinge ausbilden. Weiters sollen zukunftsweisende Flächenberufe, etwa im Bereich der neuen Medien, geschaffen werden. Auch ist dafür zu sorgen, dass jeder Jugendliche, der eine Lehrlingsausbildung machen möchte, sie -unabhängig davon ob die Wirtschaft dafür Kapazitäten zur Verfügung stellt - auch machen kann. Maringer: "Wenn die Bundesregierung ihre Pläne verwirklicht, dann wird es in Zukunft weniger qualifizierte Jungfacharbeiter geben und die Wirtschaftsbosse werden wieder in das Geheul von den schlecht ausgebildeten ArbeitnehmerInnen einstimmen. Gehrer schlägt jedenfalls damit heute den ersten Nagel in den vorbereiteten Sarg der weltweit anerkannten österreichischen Lehrlingsausbildung ein." (ff)

ÖGB, 11. Mai 2000

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