Aufklärung statt Verbote

Wien (OTS) - Nur ein geringer Teil der Bevölkerung kann mit
Alkohol nicht angemessen umgehen. Die überwiegende Mehrheit trinkt ihr tägliches Krügel gemeinsam mit Freunden oder der Familie und jedenfalls dem Genuss zuliebe. Eine deutsche Studie zeigt jetzt, dass Jugendliche nicht durch die Werbung, sondern durch ihr soziales Umfeld zu übermäßigem Alkoholkonsum "erzogen" werden. Werbeverbote, so die Studie, aber auch jede Art von Angstmache sind kontraproduktiv. Mit einem Maßnahmenbündel, das auf Aufklärung und auch auf die Lebensfreude abzielt, ist viel mehr zu erreichen.

"Werbe- und Vertriebsverbote stellen kein effektives Instrumentarium der Prävention eines zu frühzeitigen und zu intensiven Alkoholkonsums dar", ist die feste Überzeugung von Univ.-Prof. Dr. Reinhold Bergler vom Psychologischen Institut der Universität Bonn. Wer daher seinen Beitrag zur Gesundheitsförderung nur in Form einer Forderung nach einem Werbeverbot leiste, so der Wissenschaftler, verhindere eine echte Diskussion über die eigentlichen Ursachen der Probleme.

"Alkohol als Genussmittel ist - wenn man von der missbräuchlichen Verwendung einmal absieht - integraler Bestandteil eines sozial attraktiven und kommunikativen Lebensstils", lässt sich in der Studie weiter lesen. Gemessen an den Kriterien der Weltgesundheits-Organisation (WHO) konsumiert nur etwa 10 Prozent der Bevölkerung zu viel Alkohol, während der überwiegende Teil der deutschen, und wohl auch der österreichischen Bevölkerung ihr Krügel oder ihr Glas Wein im sozialen Kontext und als Genussmittel zu sich nimmt.

Prof. Bergler hat in seiner Studie "Ursachen des Alkoholkonsums im Jugendalter" (erschienen im Jahr 2000 als Band 4 der Schriftenreihe zur Angewandten Sozialpsychologie im Deutschen Instituts-Verlag, Köln) untersucht, welchen Einfluss die Alkoholwerbung auf das Konsumverhalten von Jugendlichen hat. Und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass "der Alkoholwerbung keine Auslöserfunktion für den Beginn des Alkoholkonsums im Jugendalter zukommt". Der Grund für das unangemessene Verhalten sei zentral in der Eltern-Kind-Beziehung zu finden bzw. in einem spezifischen kulturellen und gesellschaftlichen Umfeld, das Alkohol als Problemlöser in den Vordergrund rückt.

Diese Analyse liegt auch der Vorgangsweise des Verbandes der Brauereien Österreichs zugrunde, dem es darum geht, einen deutlichen Unterschied zwischen der Mehrheit der Bevölkerung, die verantwortungsbewusst und mit Freude ihr Bier genießt und der kleinen Minderheit, die Alkohol-Missbrauch betreibt, zu ziehen. Ein erster Schritt dieser Linie "Genuss mit Verantwortung" war die Herausgabe des "Weißbuchs Bier" in Zusammenarbeit mit einer Reihe von Wissenschaftlern, das sehr zentral auch die gesundheitlichen Vorteile eines moderaten Biergenusses herausarbeitet.

Verbote bzw. Versuche, Angst vor dem Alkohol zu erzeugen, können nach Ansicht des Sozialpsychologen Bergler kein Mittel sein, um Missbrauch zu verhindern. Denn die Jugendlichen wissen ohnehin sehr gut über die Nachteile übermäßigen Alkoholkonsums Bescheid. Auch haben gerade junge Menschen gelernt, mit Werbung umzugehen und lassen sich von ihr, was den Alkoholkonsum betrifft, nicht beeinflussen. Der Wissenschaftler schlägt daher vor, ein Bündel von Maßnahmen zu ergreifen, wie etwa eine offensive Präventionsarbeit, bei der eine offene Auseinandersetzung mit dem Thema Alkohol stattfindet. Weiters die Förderung einer aktiven Genussorientierung schon von klein auf, die Kontrolle bestehender Gesetze, die Kommunikation von Risikofaktoren, die Förderung von leistungsfördernden Freizeitaktivitäten usw.

Für mehr Informationen, zur Übersendung einer Kurzfassung der Studie von Prof. Bergler oder eines "Weißbuchs Bier" wenden Sie sich bitte an:

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