Landtagsvertreter bekennen sich klar gegen Atomkraft

Länderübergreifende Erklärung an die Bundesregierung / Verbesserung der Information und der Vernetzung gefordert

Salzburg (OTS) - Die österreichische
Bundesregierung soll von der tschechischen Regierung
detaillierte Informationen über die im Atomkraftwerk
Temelin realisierten technischen Lösungen anfordern
und sich für die Teilnahme an
Umweltverträglichkeitsprüfungen bei baulichen
Änderungen einsetzen. Alle Möglichkeiten der Länder
sind auszuschöpfen, bei grenzüberschreitenden
Kontakten auf die Stilllegung insbesondere grenznaher
Atomkraftwerke hinzuwirken. Dies geht aus einer von
Vertretern aller österreichischen Landtage
verabschiedeten Abschlusserklärung hervor.
Landtagsdelegationen und Experten trafen heute,
Dienstag, 9. Mai, einander zu einem
Erfahrungsaustausch zur Verhinderung grenznaher
Atomkraftwerke in Salzburg, um in der Antiatompolitik
der Länder gemeinsam an einem Strang zu ziehen.

Österreich soll sich weiterhin für ein
atomkraftfreies Europa einsetzen, die Errichtung und
Inbetriebnahme von Atomkraftwerken und sonstigen
Anlagen sind auch in Zukunft entschieden abzulehnen.
Besonders bei den Beitrittsverhandlungen auf
europäischer Ebene soll Österreich diese Haltung für
die Entwicklung von Ausstiegsszenarien und bei
umfassenden Reformen des Energiesektors einbringen.
Österreich sollte weiterhin auf Energieeffizienz und
den Einsatz erneuerbarer Energieträger setzen, auf
europäischer Ebene soll die Kostenwahrheit über den
Preis von Atomstrom erreicht werden.

Keine Einigung konnte darüber erzielt werden, die
Ziele der Initiative "Abolition 2000" zur Abschaffung
aller Atomwaffen in die Abschlusserklärung
aufzunehmen, die - so einige der Landtagsvertreter -
über die wirtschaftliche Nutzung von Atomkraft
hinausgehe.

"Zukunft der Atomwirtschaft nicht rosig"

"International scheint die Zukunft der
Atomwirtschaft angesichts der Tschernobyl-Erfahrung,
der Problematik der Entsorgung und Endlagerung sowie
der Liberalisierung der Strommärkte nicht rosig".
Darauf wies Mag. Heinz Stockinger von der
Überparteilichen Salzburger Plattform gegen
Atomgefahren (PLAGE) hin. Stockinger warnte jedoch vor
weltweiten Bestrebungen zum "legalen Atommüll-
Recycling", durch das auf Grund geringer Freigabe-
Grenzwerte niedrig radioaktiver Schrott undeklariert
in den Handel komme. Österreich habe in der aktuellen
Situation die Chance, den bisherigen konsequenten Weg
der Anti-Atompolitik wieder aufzunehmen. Er schlug den
Ländern vor, beim Bund auf eine konkrete Umsetzung des Antiatom-Aktionsplans und die Erstellung eines
strategischen Fahrplanes etwa gegenüber dem
Atomkraftwerk Temelin zu drängen. Wie der Salzburger
Landtag und Stadtsenat und die Stadt Linz sollten
weitere Landtage und Städte die Resolution des
weltweiten Netzwerkes "Abolition 2000" zur
stufenweisen Abschaffung aller Atomwaffen
unterstützen. Als taktische Kooperationen sollten die
Koalition atomfreier Regionen sowie die Umwelt- und Städtepartnerschaften mit Osteuropa intensiviert
werden, so Stockinger.

Zu einem geschlossenen Vorgehen der Landtage und
zur Gleichbehandlung aller Kernkraftwerke unter
Berücksichtigung ihres Fertigstellungs- bzw.
Betriebszustandes, ihres Typs sowie des technischen
Zustandes riet der Beauftragte des Landes
Oberösterreich für grenznahe Atomanlagen, Dipl.-Ing.
Radko Pavlovec. Er berichtete darüber hinaus über die oberösterreichischen Maßnahmen gegen vermutete Dumping-Stromexporte aus Tschechien. Anfang Mai sei es
zwischen oberösterreichischen Vertretern und
Umweltminister Mag. Wilhelm Molterer zu einem Gespräch
gekommen, bei dem eine gemeinsame Vorgangsweise in der Anti-Atompolitik vereinbart wurde.

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Dr. Roland Floimair
Tel.: (0662) 80 42 / 23 65

Landespressebüro Salzburg

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | SBG/SBG