Junge Wirtschaft präsentiert Vorschläge zur Kammerreform 2

Sieben Gebote und konkrete Maßnahmen für die Reform

Wien (PWK) - "Wir als Junge Wirtschaft haben uns schon in den vergangenen Jahren als Reformmotor innerhalb der Wirtschaftskammern eingesetzt und wichtige Erfolge verzeichnen können, wie etwa das Gründer-Service als one-stop-shop für alle Gründer und Jungunternehmer", resümiert JW-Bundesgeschäftsführer Alfons H. Helmel. In der aktuellen Reformdiskussion verfolge die Junge Wirtschaft nun zwei Ziele: Einerseits wolle man im Interesse der jungen Mitglieder konkrete gründer- und jungunternehmerpolitische Reformmaßnahmen durchsetzen, andererseits wolle sich die Junge Wirtschaft aber auch an der Entwicklung von grundlegenden Prinzipien für die Kammerreform beteiligen.

Helmel: "Aus Sicht der Jungen Wirtschaft Österreich darf sich die Debatte um die Kammerreform nicht nur auf Kosten- und Strukturfragen beschränken. Wir wollen in den Diskussionsprozess einbringen, dass es zwar um eine schlanke, aber auch um eine politisch starke Wirtschaftskammer gehen muss. Nur so können wir nachhaltig sicherstellen, dass die Interessen der Unternehmer nicht unter die Räder kommen. Wer die Kammer in eine reine Serviceorganisation umwandeln will, der ist auf dem Holzweg." Der JW-Bundesgeschäftsführer gibt ferner zu bedenken, dass man die Kammerorganisation und die "Organisation" Österreichs nicht trennen könne. "Gäbe es nicht neun Landesregierungen und neun unterschiedliche gesetzliche Bestimmungen, dann gäbe es auch keine neun Landeskammern", so Helmel. Aus Sicht der Gründer und Jungunternehmer müsse eine Kammerreform jedenfalls folgende Maßnahmen beinhalten, fordert Helmel.

1. Weg mit der Eintragungsgebühr
Die Eintragungsgebühr für Gründer muss endlich fallen. Nachdem sogar der Staat mit dem Neugründungsförderungs-Gesetz (NEUFÖG) auf behördliche Gründungskosten verzichtet, soll auch die Wirtschaftskammer ein klares Signal setzen.

2. Willkommens-Package für alle Gründer
Nach dem Gründer-Service und dem Internet-Portal für Gründer www.gruenderservice.net soll die Wirtschaftskammer ihren "Willkommensgruß" an neue Unternehmer perfekt machen: Mit einem freien Internet-Zugang für alle neuen Mitglieder und mit dem Angebot, die Kammerumlage erst nach einem Jahr Selbständigkeit bezahlen zu müssen.

3. Weg mit der WK-Begutachtung bei Nachsichtsverfahren
Es ist nicht fair, dass Unternehmer bei Nachsichtsverfahren über die Zulassung möglicher neuer Konkurrenten bestimmen. Deshalb soll das Begutachtungsverfahren durch die Wirtschaftskammer bei Nachsichtsverfahren fallen.

4. Fünf Jahre kostenloser Basis-Service für Jungunternehmer
Die Neugewichtung der Aufgabenbereiche Interessenvertretung und Service darf nicht dazu führen, dass junge Unternehmer plötzlich auch für dringend notwendige Beratung und Information zahlen müssen. Deshalb sollen Jungunternehmer die Sicherheit haben, bis fünf Jahre nach der Gründung die Beratungsleistungen für Gründer kostenlos in Anspruch zu nehmen.

5. Meine Interessenvertretung - mein one-stop-shop
Mit dem Gründer-Service hat die Junge Wirtschaft das one-stop-shop-Prinzip für Gründer in den Wirtschaftskammern etabliert. Das muss jetzt für alle Mitglieder gelten. Jeder Unternehmer soll in seiner Wirtschaftskammer einen persönlichen Ansprechpartner für alle unternehmerischen Fragen zur Verfügung haben.

6. Mehrfachmitgliedschaften nur mehr auf freiwilliger Basis Unternehmer, die über mehrere Gewerbeberechtigungen verfügen, sollen künftig nur mehr einmal ihren Mitgliederbeitrag bezahlen müssen. Wo sie Mitglied werden, sollen sie selbst wählen dürfen. Mehrfachmitgliedschaften soll es künftig nur mehr auf freiwilliger Basis geben.

7. Kompetenzzentrum für die New Economy
"Es reicht nicht, wenn alle nur von der New Economy reden, aber nichts für junge, innovative Start-ups tun. Damit die jungen Unternehmen in der Wirtschaftskammer ausreichend berücksichtigt und betreut werden, wollen wir ein eigenes New Economy-Kompetenzzentrum", fordert Helmel.

"Über die konkreten gründer- und jungunternehmerpolitischen Reformschritte hinaus ist es sehr wichtig, dass die Prinzipien, unter denen die Kammerreform steht, klar und transparent sind. Wir haben daher sieben Gebote für die Kammerreform entwickelt, die wir in die Diskussion einbringen werden", erklärt der JW-Bundesvorsitzende Umdasch.

1. Die Wirtschaftskammer muss mehr Kundenbewusstsein entwickeln und leben.
Die Mitglieder müssen als Kunden behandelt und daher von Anfang an professionell betreut werden. Die Faktoren Expertenwissen, Kundenorientierung und durchgängiges Zielsystem spielen dabei eine entscheidende Rolle.

2. Die Wirtschaftskammer muss in ihren Leistungen transparent sein. Viele Mitglieder wissen über das Leistungsprofil ihrer Interessenvertretung nicht Bescheid - und kennen damit nicht die zahlreichen Serviceleistungen und Hilfestellungen, aus denen sie einen konkreten Nutzen ziehen können. "Daher brauchen wir klar definierte Leistungen und Produkte und entsprechend offensiven Verkauf", so Umdasch.

3. Die Wirtschaftskammer muss die Kommunikation mit ihren Kunden professionalisieren. Zu jeder erfolgreichen Kundenbeziehung gehört auch, dass die Wünsche der Kunden regelmäßig erhoben und kanalisiert werden und die eigene Leistungs- bzw. Produktpalette zielgruppenorientiert daran ausgerichtet ist.

4. Die Wirtschaftskammer muss sich unternehmerischer organisieren. "Wir wollen, dass die innere Struktur der Wirtschaftskammer 100%ig nach den Kriterien der Effizienz und der Erfolgsorientierung ausgerichtet ist. Beamtenmentalitäten und bürokratische Strukturen haben keinen Platz in einer modernen Wirtschaftskammer, länderübergreifende Kompetenzzentren und Leitthemen sind gefragt", so Umdasch.

5. Die Wirtschaftskammer muss sich als Zukunftspartner etablieren. Das traditionelle System der Sozialpartnerschaft ist reformbedürftig. Die Wirtschaftskammer muss sich daher als attraktiver Zukunftspartner für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft in Szene setzen und notwendige Veränderungen vorantreiben.

6. Die Wirtschaftskammer muss sich für die Jungen öffnen.
Wie in vielen anderen gesellschaftlichen und politischen Bereichen, muss auch in den Wirtschaftskammern ein Generationenwechsel vollzogen werden. Die beste Strategie dazu ist, die Jungen verstärkt in Entscheidungen und Verantwortungsbereiche miteinzubeziehen.

7. Die Wirtschaftskammer muss ein zeitgemäßes Wahlsystem bekommen. Zu einer transparenten Wirtschaftskammer gehört letztlich auch ein für alle durchschaubares Wahlsystem.

"Wir werden die nächsten Monate gut nützen, um mit unseren Argumenten und Vorschlägen zur Kammerreform zu überzeugen. Es ist gut, dass es diese Reformdebatte gibt, und es wird noch besser sein, wenn sie überzeugende Ergebnisse und Maßnahmen bringt. Damit sich die Wirtschaftskammern besser und erfolgreicher denn je ihren eigentlichen Aufgaben widmen können", schloss Umdasch. (MH)

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