"Neue Zeit" Kommentar: "Abrüsten" (von Litsa Kalaitzis)

Ausgabe vom 9. 5. 2000

Graz (OTS) Peter Westenthaler ist be-troffen: Der Wiener FP-Chef Hilmar Kabas habe am Parteitag der Wiener Freiheitlichen keineswegs, wie von bösen Medien kolportiert, Bundespräsident Klestil als "Lump" beschimpft. Da haben sich die Journalisten verhört, hatte sich auch Kabas sofort zur Wehr gesetzt - er habe nicht "Lump", sondern "hump" oder "dump" gesagt.

Dass Kabas mit "Lump" alle anderen gemeint hat, "die Österreich vernadern", das findet der FP-Klubobmann in Ordnung. "Zu Recht", so betonte er gestern, habe Kabas auch den Bundespräsidenten damit kritisiert.

Unrecht geschieht offensichtlich nur der FPÖ, deren Wortspenden von den Medien immer so heftig kritisiert würden. Niemand hätte beispielsweise am 1. Mai, den öffentlichen Aufruf des Wiener Bürgermeisters, die Regierung aus dem Amt zu jagen, kommentiert, beklagte er sich bei den Journalisten. Er rufe deswegen zu einer Abrüstung der Worte auf, außerdem erwarte er sich eine Prüfung der Sprache von denen, die sie ernst nehmen. Weil ich die Sprache und somit auch alle Versprechen und Aufrufe ernst nehme, gehe ich davon aus, dass Westenthaler, der Michael Häupl laut Standard-Zitat als "präpotenten, überheblichen Buffet-Bürgermeister" beschimpfte, der Madeleine Petrovic unlängst attestierte, dass sie nun offenbar "völlig durchdreht", und der die AK-Funktionäre mitunter auch als "wildgeworden" bezeichnete, mit dieser Abrüstung bei sich selbst beginnt. Alles andere wäre nämlich dump. Oder hump?

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