FORMAT: Erstes ausführliches Interview mit Gertraud Knoll nach

Rückkehr aus Sonderurlaub Knoll: "Schüssel wollte mich als Ministerin. Ich habe das aber

Wien (OTS) - abgelehnt." =

In einem Interview mit dem am Montag erscheinenden Nachrichtenmagazin FORMAT übt die burgenländische Superintendentin Gertraud Knoll Kritik an der Regierung von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel. Knoll ist erst dieser Tage aus ihrem Sonderurlaub zurückgekehrt, in den Sie sich nach am 20. März dieses Jahres nach Morddrohungen zurückgezogen hatte. Auf die Frage, ob Sie glaube, daß die Drohungen gegen Sie mit der ÖVP-FPÖ-Koalition zusammenhängen, sagt Knoll: "Die Tonlage und Qualität der großen Bierzeltreden des Jörg hat alle ermutigt, die das für ihr Niveau und ihre Weltsicht halten. Daß ein Koalitionspakt zwischen Wolfgang Schüssel und Jörg Haider möglich geworden ist, hat diesen Menschen einen unheimlichen Auftrieb und wohl auch eine Legitimation gegeben, in dieser Qualität der Sprache gegen andere Menschen vorzugehen und wieder beschämend dieselben Sündenböcke und Feindbilder zu suchen." Durch die ÖVP-FPÖ-Koalition, so Knoll weiter, habe sich das gesellschaftspolitische Klima in Österreich verändert: "Es geht eine tiefe Spaltung quer durchs Land - bis in die Familien -,und eine ungebremste Verrohung des menschlichen Miteinanders wird greifbar."

Auf die Frage, ob Sie in den letzten Tagen an Rücktritt gedacht habe, sagt Knoll: "Ich will nicht leugnen, daß es Phasen gegeben hat, wo ich gedacht habe: Warum tu' ich mir das eigentlich an?" Knoll kritisiert auch, daß Bundeskanzler Schüssel trotz Aufforderungen noch keine Stellungnahme zur Kampagne gegen Sie abgegeben hat. Knoll: "Die Begründung, warum er schweigt, kann nur er selber geben. Ich hoffe nur, daß nicht deshalb schweigt, weil es der neue Stil ist, mit dem man in Zukunft gegen Kritiker vorgehen wird. Diese Methoden sind nämlich alles andere als demokratiefördernd, sondern erschreckend alt." Auf die Frage, ob sie sich von der Regierung im Stich gelassen fühlt, sagt die Superintendentin: "Es geht einfach nicht, daß eine politische Partei feststellt, wer als Bischöfin oder als Pfarrer genehm ist. Das ist der springende Punkt. Dazu ist bis jetzt noch nichts gesagt worden." Knoll bestätigt gegenüber FORMAT auch erstmals, daß sie 1995 von Vizekanzler Wolfgang Schüssel gebeten worden war, als Ministerin in die Regierung einzutreten: Knoll: "Aber ich habe abgelehnt. Damals war ich ein Jahr Superintendentin und konnte keinerlei Qualifizierung als Ministerin in mir entdecken. Vielleicht ist das auch ein Grund für sein Schweigen."

An eine Änderung der FPÖ unter Susanne Riess-Passer glaubt Knoll nicht: "Es ist beim Parteitag in Klagenfurt voll und ganz bestätigt worden, daß Jörg Haider das Herz und die Seele dieser Partei ist. Er hat in den letzten Monaten mit einem antieuropäischen Geist Stimmung gemacht, der Österreich in einen provinziellen Engpaß zurückkapituliert. Auch die Vorstellung, zu den EU-Sanktionen eine Volksbefragung durchzuführen, halte ich für kontraproduktiv und in der jetztigen Situation nicht wirklich patriotisch gedacht." Insgesamt sieht Knoll auf Österreich Verschlechterungen zukommen:
"Ich fürchte, daß der ungebremste Kapitalismus in Österreich fröhlichen Einzug hält und der Staat sich mehr und mehr aus seiner sozialen Verantwortung ziehen wird. Das wird uns in nächster Zeit beschäftigen."

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