"Neue Zeit Kommentar": "Ausschluss" von Peter Kolb

Ausgabe vom 7.5. 2000

Graz (OTS) - Es hätte eigentlich eine Gedächtnisfeier der ganz normalen Art sein können - sofern dieser Anlass solch eine Auslegung überhaupt zulässt. Die Art, wie die 55. Wiederkehr des Tages der Befreiung des KZ Mauthausen begangen wird, spiegelt den Umgang des offiziellen Österreich mit seiner jüngsten Geschichte wieder. Von der Gedenkstunde sind die beiden Regierungsparteien auf Wunsch der Veranstalter ausgeschlossen und das darf niemanden wundern. Dieser Regierung steht ein Kanzler vor, der nichts Verwerfliches am politischen Partner FP findet, dessen langjähriger Chef KZ als "Straflager" und industrieller Menschenvernichtung als "Massenmord, wenn Sie's halt so wollen" bezeichnet. Der eine "ordentliche Beschäftigungspolitik" lobt, die die Ausbeutung und Vernichtung von Sklavenarbeitern zum System machte. Es muss aber auch gesagt werden, dass die FP nur so ungeniert agieren konnte und kann, weil SP und VP sich lange nur zu Österreichs Opferrolle und nur selten zur Mitverantwortung der Österreicher bekannten. Legendär der Sager von SP-Innenminister Oskar Helmer zu Entschädigungen für vertriebene Juden: "Ich bin dafür, die Sache in die Länge zu ziehen." In diesem Klima konnten in der SP hochkarätige Nazis unbehelligt Karriere machen. Die klaren Worte von Franz Vranitzky und Alfred Gusenbauer sind redlich, kommen aber doch ein wenig zu spät. Der lockere - und international bekannte - Umgang mit der eigenen Vergangenheit ist mit einer der Gründe für die EU-Sanktionen.

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