Was Investoren irritiert

Euro-Schwäche als Folge schwachbrüstiger Politik
(Von Hans Köppl)

Wer sich ausschließlich an makroökonomischen Eckdaten orientiert, kann sich den ständigen Wertverlust des Euro gegenüber Dollar und Yen nur als Ausdruck irrationalen Verhaltens erklären. Endlich hat sich das Wirtschaftswachstum im Euro-Raum beschleunigt, und es sinkt erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt auch die hartnäckig hohe Arbeitslosenrate deutlich. Die Inflationsrate ist niedrig und die Staatshaushalte sind annähernd ausgeglichen, teils werden sogar Überschüsse ausgewiesen.
Warum also meiden internationale Investoren (Vermögensverwalter in Investmentbanken oder Pensionsfonds) die Kapitalanlage im Euroland? Warum investieren auch europäische Kapitalanleger bevorzugt im Dollar anstatt in der eigenen Gemeinschaftswährung?
Der Hauptgrund für die Euro-Skepsis der internationalen Hochfinanz liegt weniger an Zweifeln an der möglichen Nachhaltigkeit der wirtschaftlichen Erholung Europas, als vielmehr am Unbehagen über das Konstrukt Europäische Union als solches sowie am politischen Management der Union.
Während die Verhandlungen mit den Beitrittskandidaten aus Mittelosteuropa zu den kritischen Kernbereichen vorstoßen, ist die institutionelle Anpassung an die Erweiterung immer noch ungelöst. Völlig unklar ist die Frage, was diese Union überhaupt sein will. Das bisher Geleistete als Friedenswerk zu loben ist zu wenig, auch wenn das Bekenntnis zu ãNie wieder KriegÒ den Ausgangspunkt der Integrationsbemühungen markiert. Die Reserviertheit gegenüber dem Euro gründet sich auf konkrete politische Defizite.

Dass die EU außen- und sicherheitspolitisch kein zählbarer Faktor ist, ist nicht neu und wäre an sich auch kein Grund, dem europäischen Markt zu misstrauen. Was die internationalen Geldjongleure, die via Computer täglich 1500 Milliarden Dollar um den Erdball jagen, irritiert, ist die europäische Innenpolitik. Nach dem Abgang von Mitterrand und Kohl gibt es keine europäische Leitfigur mehr, die das realpolitische Stückwerk überstrahlen könnte und in der sich eine Vision Europa personalisiert. Paradoxerweise sind es gerade die im Vertrag von Amsterdam statuierten gemeinsamen europäischen Werte, die Irritationen über den politischen Zusammenhalt der Union auslösen. Die unfreundlichen Akte gegenüber Österreich bewirken auch international das Gegenteil dessen, was beabsichtigt war. Was wird erst sein, sollten in Italien Berlusconi, Bossi und Fini an die Macht kommen?

Sieht man von diesen politischen Unwägbarkeiten ab, gibt es für internationale Anleger einen viel handfesteren Grund, dem Euro vorerst distanziert gegenüberzustehen: Drei von 15 EU-Mitgliedsstaaten, darunter Großbritannien, haben die Gemeinschaftswährung auch mehr als ein Jahr nach deren Markteinführung nicht als die Ihre akzeptiert.
Da hilft es nicht, dass Ansätze zu einer neuen, produktivitätsorientierten Unternehmenskultur erkennbar sind oder dass endlich Maßnahmen gesetzt werden, die Beschäftigungsquote zu erhöhen; Amerika ist längst dort, wo Europa erst hinkommen muss.

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