"Neue Zeit" Kommentar: "Lunte brennt" (von Günther Gruber)

Ausgabe vom 6. 5. 2000

Graz (OTS) - Die Arbeitnehmervertreter setzen immer noch auf Verhandlungen, auch wenn die schwarz-blaue Regierung in der Sache keinen Millimeter von ihrem Programm des Sozialabbaus abzuweichen bereit ist. Es ist eine Mischung aus jahrzehntelang festgefügtem Vertrauen in die Sozialpartnerschaft, aus Geduld, aus Verantwortungsgefühl und aus Überraschung, von der die Gewerkschafter erfüllt sind. An der Basis, in den Betrieben, jedoch wird die Mischung aus Enttäuschung, aus Zorn und nicht zuletzt aus Angst immer explosiver. Das Vertrauen in die Sozialpartnerschaft der Zweiten Republik wird nicht mehr lange aufrecht zu halten sein, wenn immer deutlicher wird, dass die neuen politischen Machthaber längst die Dritte Republik Realität werden lassen. Die Überraschung ob des überfallsartigen Tempos des Sozialabbaus wird sich legen und das Verantwortungsgefühl wird eine andere Richtung bekommen - nicht mehr Verantwortung für sozialen Frieden, sondern Verantwortung für drei Millionen Arbeitnehmer in unserem Land. Dann wird sich der Deckel nicht mehr auf dem Topf mit der explosiven Mischung in den Betrieben halten lassen. Noch nimmt niemand das Wort Streik in den Mund, worauf Regierung und Unternehmer aber nicht allzusehr bauen sollten. Die Bereitschaft zur schärfsten gewerkschaftlichen Kampfmaßnahme ist nämlich heute schon so groß wie noch selten. Noch wäre Zeit, die brennende Lunte zu löschen, viel allerdings nicht m= ehr.

Rückfragenhinweis: Neue Zeit,

Tel. 0316/2808-306

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PNZ/OTS