WirtschaftsBlatt über die Volksbefragung Volksbefragung dient Haiders Kanzlerambitionen von Wolfgang Unterhuber

Ausgabe vom 6.5.2000

Wien (OTS) - Jörg Haider ist derzeit so ziemlich der gevifteste Taktiker in der österreichischen Politlandschaft. Frei nach dem Motto Konrad Adenauers "Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern" sagt Haider einmal, dass er nicht mehr Kanzler werden will, um es ein andermal doch nicht ganz ausschliessen zu wollen. Eines weiss das einfache Parteimitglied Haider allerdings ganz genau. Unter den derzeitigen Bedingungen kann er den Kanzlerjob vergessen. Was er braucht, ist eine massive anti-europäische Stimmung, die ihn ganz nach oben spült und jedes EU- und aussenpolitische Risiko in Kauf nimmt. Auch wenn es derzeit nicht so aussieht für einen, der eine Wappler-Partie übernommen und sie als zweitgrösste Partei übergeben hat, ist nichts unmöglich. Das heisst nicht, dass Haider einen fixen Plan zur Kanzlerschaft hat, aber probieren kann man es ja. Vor diesem Hintergrund ist der Versuch der FPÖ zu sehen, eine Volksbefragung über die EU-Sanktionen abzuhalten. Das Ergebnis wäre - no,na - ein klares Votum gegen die Blockade. Und die FPÖ könnte das Plebiszit als ihren Erfolg verbuchen. Ein Erfolg, der als gute Basis für eine verschärfte anti-europäische Propaganda dienen könnte. Seit gestern nun ist die Wahrscheinlichkeit, dass es tatsächlich zu einer Befragung kommt, gestiegen. So hat Bundeskanzler Schüssel nichts mehr dagegen einzuwenden, falls die Sanktionen nicht bis Ende Juni aufgehoben werden. Angesichts der bisherigen aussenpolitischen Erfolge des Duos Schüssel/Ferrero-Waldner können die FP-Strategen schon erste Überlegungen zum Plebiszit anstellen. Denn der Aktionsplan der Regierung zur Aufhebung der Sanktionen ist nett, wird die EU-Partner aber kaum vom Sessel reissen. Bleibt nur zu hoffen, dass der wirtschaftsliberale Flügel in der FPÖ rund um Thomas Prinzhorn die Sache rechtzeitig in den Griff bekommt, bevor die Anti-EU-Hysterien der Haider-Mannen mehr als nur amüsant werden. Bisher agiert der Papierindustrielle geschickt und schafft es glaubwürdig, sowohl Haider als auch Riess-Passer gegenüber loyal zu sein. Die Drohungen und EU-Austrittsüberlegung Haiders kommentiert er zunehmend gelassen. Aus gutem Grund: Der Einfluss Prinzhorns in der Partei steigt. Und damit besteht eine reelle Chance, dass Haiders antieuropäischen Sandkastenspielen ein dauerhafter Riegel vorgeschoben wird. (Schluss) wu

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: 01/91919-305

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB/OTS