Unsoziale Maßnahmen wurden demonstriert (5)

AUVA, Hausbesorger, Jugend, Ausverkauf, Beamte, Gesundheit, Kollektivverträge als Themen

Wien (ÖGB). Zu Beginn der BetriebsrätInnenkonferenz im Austria Center Vienna wurde den mehr als 4.000 BetriebsrätInnen, PersonalvertreterInnen und JugendvertrauensrätInnen das unsoziale Maßnahmenpaket in Form von Rollenspielen demonstriert.++++

Kein Rückschritt ins 19. Jahrhundert
Vor einem Tisch mit Heilbehelfen aus dem vorigen Jahrhundert -beispielsweise einer Handprothese a la Captain Cook - sagte der Generaldirektor der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA), Helmuth Pichler, dass durch eine Absenkung der Unfallversicherungsbeiträge um 0,2 Prozent, die Einnahmen der AUVA um 1,7 Mrd. S sinken würden. "Das wäre ein Rückschritt ins 19. Jahrhundert", sagte Pichler. Anton Korntheuer, Obmann-Stellvertreter der AUVA sprach sich strikt gegen eine Absenkung der Unfallversicherungsbeiträge aus, da andernfalls der Unfallversicherungsschutz für ArbeitnehmerInnen gefährdet wäre. Erste Hilfe und Prävention müssten stark eingeschränkt werden.

Bessere Lehrlingsausbildung
ÖGJ-Bundesvorsitzender Albert Maringer erläuterte das Modell der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ). Dies laute, mehr Lehrlinge in den Unternehmen und Stiftungen für Jugendliche. Derzeit bildet nur ein Drittel der Unternehmer Lehrlinge aus, zwei Drittel tun dies nicht. Daher sein ein Lastenausgleich zwischen ausbildenden und nicht ausbildenden Unternehmen zu schaffen. Maringer forderte auch eine Freifahrt für alle Lehrlinge.

Wir lassen uns nicht zu Grabe tragen
Nach dem Willen der Bundesregierung soll das Hausbesorgergesetz abgeschafft werden. "Wir lassen uns aber nicht zu Grabe tragen", demonstrierten BetriebsrätInnen anhand eines schwarzen Sarges. Das Grab sei zwar geschaufelt, wir lassen uns aber nicht widerstandslos entfernen, hieß es.

Kein Ausverkauf Österreichs
Betriebsräte der ÖIAG machten deutlich, dass der Abverkauf österreichischer Kernunternehmen 120.000 Arbeitsplätze gefährdet. Gefordert wurde eine Umwandlung von einer reinen Privatisierungsgesellschaft zu einer Beteiligungsgesellschaft. Damit der österreichische Einfluss auch künftig gesichert ist, müsse die Beteiligung 25 Prozent plus eine Aktie heißen.

Personalprobleme bei der Exekutive
PersonalvertreterInnen der Exekutive warnten vor dem Personalnotstand und den weiteren geplanten Einsparungen. Werden weitere Planstellen abgebaut, bedeutet das weniger Beamte für die Straßensicherheit, für die Schulkinder und für die Bekämpfung der Kriminalität. Bei uns kann keine Rede von einer 40- oder 38-Stundenwoche sein, Exekutivbeamte arbeiten derzeit schon zwischen 52 und 53 Stunden - hochgerechtnet heißt das, dass zehn Jahre länger gearbeitet wird. Nun will die Regierung das Pensionsantrittsalter auf 61 ½ Jahre anheben.

Tausche Niere gegen Hüftoperation
Drastisch wurden auch die Selbstbehalte bei Ambulanzbesuchen und die Erhöhung der Rezeptgebühr im Zuge der Krankenkassenreform veranschaulicht. "Tausche Niere gegen Hüftoperation" war am Krankenbett zu lesen, während in einem anderen Krankenbett ein Unternehmer zufrieden lächelnd und Zigarre rauchend feststellte, dass es ihm gut geht.

Gesundheit nur noch für Reiche?
Das bisher erfolgreiche System der Solidarität, dass Gesunde für Kranke zahlen, wollen nun Sickl und Waneck abschaffen. Diese Regierung sei eine Standesvertretung, die Reiche wie Prinzhorn und Bartenstein unterstützt, sagte der Obmann der oberösterreichischen Gebietskrankenkasse, Helmut Oberchristl: "Selbstbehalt ist eine Krankensteuer." Die Politik dieser Bundesregierung lautet "Gesundheit nur noch für Reiche" und Oberchristl abschließend: "Die Zeit des Redens und Verhandelns ist vorbei."

Angriff auf Kollektivverträge
"Der 13. und 14. Gehalt, aber auch die geregelten Arbeitszeiten bestimmt der Kollektivvertrag" wurde auf der Bühne durch junge ArbeitnehmerInnen verdeutlicht. Bis der Herr Unternehmer aufkreuzte, der betonte, dass die Bundesregierung künftig diese Themen auf der betrieblichen Ebene verhandelt wissen möchte. Damit wären 13. und 14. Gehalt, aber auch geregelte Arbeitszeiten gefährdet. (ew)

ÖGB, 5. Mai 2000

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Ernst Weber
Tel. (01) 534 44/361 Dw.
Fax.: (01) 533 52 93ÖGB Presse und Öffentlichkeitsarbeit

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NGB/NGB