KUNST UND INDUSTRIE Die Anfänge des Museums für angewandte Kunst in Wien

Wien (OTS) - Pressepreview: Dienstag, 30. Mai 2000, 10.30 Uhr Ausstellungsort: MAK-Ausstellungshalle

MAK - Österreichisches Museum für angewandte Kunst Weiskirchnerstraße 3, A-1010 Wien
Ausstellungsdauer: 31. Mai - 3. September 2000
Öffnungszeiten: Di (MAK NITE) 10.00 - 24.00 Uhr,
Mi - So 10.00 - 18.00 Uhr
Mo geschlossen

Die Ausstellung "Kunst und Industrie - Die Anfänge des Museums für angewandte Kunst", die vom 31. Mai bis 3. September im MAK zu sehen sein wird, beschäftigt sich mit dem Gründungsgedanken und der Geschichte des k.k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie, dem heutigen MAK. Anhand von herausragenden Werken -Originalzeichungen von Klimt bis Le Corbusier, Möbel, Stoffentwürfe, Tafelgeschirr etc. - aus den Sammlungen des MAK und internationalen Leihgaben sowie vier Medienstationen wird die Entwicklung des österreichischen Kunsthandwerks vom Historismus bis zum Jugendstil und dessen Qualität und Stilvielfalt nachvollziehbar. Die Dokumentation der geschmacksprägenden Weltausstellungen in London und Wien, der Mode des Orientalismus, der Errichtung des Museumsneubaus am Ring, der Rolle führender Industrieller gibt Einblick in die Zeit des Historismus, eine der künstlerisch vielschichtigsten und produktivsten Epochen der österreichischen Kunstgeschichte zwischen künstlerischer Kreativität und wirtschaftlicher Produktion, auf deren Grundlage sich die Moderne entwickeln konnte.

Gleich vom Zeitpunkt seiner Gründung 1864 nahm das k.k. Österreichische Museum für Kunst und Industrie innerhalb der damaligen Museumslandschaft eine Sonderstellung ein: Alle anderen Kunstsammlungen waren mit ihren reichen, über die Jahrhunderte gewachsenen Beständen entweder im Besitz des Kaiserhauses oder in kirchlicher bzw. privater Hand. Das k.k. Österreichische Museum für Kunst und Industrie dagegen verfügte über keinen eigenen Sammlungsbestand, seine Gründungsidee war ein wissenschaftliches Konzept mit einer fest umrissenen, vor allem didaktischen Aufgabenstellung: Durch das Studium alter Kunstwerke sollte das ästhetische Empfinden geschult und so das aktuelle kunstgewerbliche Schaffen gefördert werden, gleichzeitig waren zeitgenössische Tendenzen in Kunst und Industrie zu dokumentieren. Vorbild war das South Kensington Museum (heute Victoria&Albert Museum) in London, dem seit 1852 Studiensammlungen und eine Kunstgewerbeschule zur qualitativen Anhebung des englischen Kunstgewerbes angeschlossen waren. Der Kunsthistoriker Rudolf von Eitelberger (1817 - 1885) brachte dieses Konzept von der Londoner Weltausstellung 1862 nach Österreich mit. Er argumentierte, daß sich die akademische Kunstauffassung von den Bedürfnissen des alltäglichen Lebens entfernt habe und es dringend notwendig sei, daß ein Museum die handwerkliche und ästhetische Verbesserung der Produktion der täglichen Gebrauchsgüter fördere. "Das Museum ist berufen, das Verständnis zu wecken, es soll den richtigen Geschmack verbreiten und nach Bedürfnis für Schule und Fabriken die Materialien zur Lehre der Nachbildung liefern." Die Regierung unterstützte das Projekt. Am 12. Mai 1864 wurde das k.k. Österreichische Museum für Kunst und Industrie zunächst im Ballhaus der Hofburg eröffnet, und Rudolf von Eitelberger war sein erster Direktor. 1871 zog man in den nach den Plänen von Heinrich von Ferstel errichteten Bau am Stubenring. 1868 wurde die angrenzende Kunstgewerbeschule gegründet, die in unmittelbarer Zusammenarbeit mit dem Museum erstmalig die systematische Ausbildung junger Kunsthandwerker ermöglichen sollte.

Die Idee einer Verbindung von wirtschaftlichem Erfolg und ästhetischem Anspruch der Produkte stand bei der intensiven Zusammenarbeit zwischen dem Museum - vertreten durch Persönlichkeiten wie Rudolf von Eitelberger und Jacob von Falke - und den bedeutendsten Kunstindustriellen der Monarchie - Ludwig Lobmeyr, Philipp Haas, Carl Giani, Arthur Krupp, Felix Drasche - im Vordergrund. Ausgewogene künstlerische Gestaltung sollte den kunsthandwerklichen Produkten Österreichs internationale Anerkennung verschaffen und sie konkurrenzfähig machen. Der neue "Künstler-Entwerfer", der in der Kunstgewerbeschule mit den Objekten des Museums herangebildet werden sollte, galt als Ideal. Bis in die späten achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts setzte das Museum für Kunst und Industrie Maßstäbe in den Bereichen Technik und Ästhetik der angewandten Kunst. Nur aufgrund der hohen Ansprüche an das Handwerk, was Materialgerechtigkeit, Stilreinheit der Formen und Anwendung neuer Techniken betraf, war in Wien der Durchbruch der Moderne aus dem Historismus heraus möglich. In der Stilvielfalt des Historismus, wie ihn das Museum für Kunst und Industrie entwickelte, liegen die Wurzeln des modernen Stils. Mit der Trennung der Schule vom Museum 1909 war das Ende des Museums als Vorbildinstitution besiegelt.

In den Museumsstatuten heißt es: "Das k.k. Oesterr. Museum für Kunst und Industrie hat die Aufgabe (Š) die kunstgewerbliche Thätigkeit zu fördern und vorzugsweise zur Hebung des Geschmackes beizutragen" (Statuten von 1864). Das heißt, dem Museum sind die aktive Auseinandersetzung mit den aktuellen Strömungen und die gestaltende Beteiligung zur Aufgabe gestellt. Eine Aufgabe, mit der sich die Leitung des Museums bis 1909 zu identifizieren trachtete und die sehr wohl Einfluß auf das künstlerische und kulturelle Geschehen in Wien nahm. In der Folge trat der Gründungsgedanke mehr und mehr zurück, um wissenschaftlicher Forschung und Kategorisierung Platz zu machen. In den letzten Jahren erfolgte eine Neuinterpretation der alten Statuten: die kritische Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Kunstströmungen wurde wieder ins Zentrum gerückt.

Die Ausstellung wird von einem Katalog mit einer ergänzenden CD-ROM begleitet. Die Katalogbeiträge stammen von Hanna Egger, Gabriele Fabiankowitsch, Rainald Franz, Claudia Jobst, Elena Königsmarkova, Kathrin Nagel, Peter Noever, Tanja Pirsig, Diana Reynolds, Burghardt Schmidt, Elisabeth Schmuttermeier, Ulrike Scholda, Patricia Sekler, Rudolf Strasser, Angela Völker, Johannes Wieninger und Christian Witt-Dörring.

In Ergänzung zur Ausstellung "Kunst und Industrie" wird Ludwig Lobmeyr als Industrieller, Kurator und Förderer des Museums in der Schau "Ludwig Lobmeyr (1829 -1917) und das k.k. Österreichische Museum für Kunst und Industrie" präsentiert. Die Firma J. & L. Lobmeyr trug in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wesentlich zur Reform der österreichischen Glasindustrie bei. Die Ausstellung soll das enge Zusammenwirken der Firma unter der Führung von Ludwig Lobmeyr mit dem Museum verdeutlichen. Die Sammlungen des Hauses boten Ludwig Lobmeyr und den für seine Firma entwerfenden Künstlern reiche Anschauungsmaterialien, die als Vorbilder und Anregungen für Formen und Dekore dienten. Die Ausstellung zeigt einen repräsentativen Querschnitt durch die vielfältige Produktion von farblosem und farbigem Glas von den sechziger Jahren bis in die Zeit nach der Jahrhundertwende aus den Beständen des Museums und der Firma Lobmeyr. Durch die Einbeziehung von Archivmaterial, Werkzeichnungen, Beispielen und Vorbildern aus den MAK-Sammlungen wird der Entstehungsprozeß einzelner Objekte nachvollziehbar.

Ausstellungsdaten

KUNST UND INDUSTRIE

Pressepreview Dienstag, 30. Mai 2000, 10.30 Uhr
Eröffnung Dienstag, 30. Mai 2000, 20.00 Uhr
Ausstellungsort MAK-Ausstellungshalle
MAK - Österreichisches Museum für angewandte Kunst Weiskirchnerstraße 3, A-1010 Wien
Ausstellungsdauer 31. Mai - 3. September 2000
Öffnungszeiten Di (MAK NITE) 10.00 - 24.00 Uhr,
Mi - So 10.00 - 18.00 Uhr, Mo geschlossen Rahmenprogramm

Ausstellung Ludwig Lobmeyr (1829-1917) und das
k.k. Österreichische Museum für angewandte Kunst MAK-Studiensammlung Glas, 31. Mai - 31. Dez. 2000

Ausstellung Hanna Egger, Peter Noever, Rainald Franz, Kathrin Nagel

MAK-Kuratoren Hanna Egger, Rainald Franz
Gastkurator Kathrin Nagel
Mitarbeit Peter Klinger
CD-ROM die lockere gesellschaft - Transfusionen,
Harald Krämer (Projektleitung)
Projektmanagement Margarete Heck
Technische Leitung Harald Trapp, Philipp Krummel
Ausstellung Lobmeyr
Ulrike Scholda (Gastkurator)

Katalog und CD-ROM Kunst und Industrie - Die Anfänge des Museums für angewandte Kunst, Hrsg. von Peter Noever. Mit 22 Textbeiträgen,
260 Seiten, ca. 120 s/w Abbildungen.

Ergänzende CD-ROM (Hybrid für PC und Mac) unter besonderer Berücksichtigung von historischen Bild- und Textquellen sowie
Film- und Fotomaterial.

Führungen Dienstag 20.00 Uhr, Samstag 16.00 Uhr,

Sonntag 11.00 Uhr
Schulklassen, Gruppen und Sondertermine gegen
Anmeldung: Gabriele Fabiankowitsch,
Tel. 01-711 36-298
Feiertage 1. 6. Christi Himmelfahrt 10.00 - 18.00 Uhr
12. 6. Pfingstmontag 10.00 - 18.00 Uhr
22. 6. Fronleichnam 10.00 - 18.00 Uhr
15. 8. Maria Himmelfahrt 10.00 - 24.00 Uhr

MAK-Eintritt öS 90,00/öS 45,00 ermäßigt für Schüler, Studenten,

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