Das WirtschaftsBlatt - "Der nächste Trend: Die Ausbeutung des Kapitals" von Jens Tschebull

Wien (OTS) - Auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, die Kostenstruktur zu verbessern, stossen Unternehmer, Controller und Berater auf eine letzte Reserve: Die gnadenlose Ausbeutung des Kapitals. Es geht jetzt darum, aus möglichst wenig eingesetztem Kapital möglichst viel herauszuholen, so wie man möglichst wenig Personal möglichst viel Leistung zu entlocken sucht. Die Kosten der Kapitalbindung leuchten bei einem Verkehrsflugzeug, das eine Milliarde bindet, aber 16 Stunden am Tag auf dem Flugfeld steht, sofort ein. Aber bei einem durchschnittlichen Maschinenpark, der nur acht Stunden pro Tag läuft? Zu grosse Lagerbestände, die kapitalbindend vor sich hin faulenzen, sind genauso gefährlich wie eine vor sich hin faulenzende Mannschaft.Sale and leaseback muss nicht ein Zeichen dafür sein, dass ein Unternehmen aus dem letzten Loch pfeift, es kann auch zeigen, dass ein modernes Kapitalmanagement lieber Bankschulden zurückzahlt, als mit einem Fabriksgebäude im Anlagevermögen zu prahlen.Die letzte Zuflucht im Kostenwettbewerb ist die Kapitalsparsamkeit, die jedem Manager den Geiz des Eigentümers abverlangt. Das Ergebnis dieses Trends werden u.a. längere Betriebszeiten sein. Während die individuelle Arbeitszeit der Menschen tendenziell sinkt, wird die Arbeitszeit der Anlagen steigen. Nicht die 40-Stunden-Woche, sondern die 168-Stunden-Woche ist das Ziel. Asiatische Länder sind als Industriestandorte nicht so sehr dank der niederen Löhne begehrt, sondern wegen der flexiblen Arbeitszeit, die ein ununterbrochenes Ausnützen des Kapitals durch siebenmal 24 Stunden ermöglicht. Auch österreichische Firmen sind zu Lösungen gekommen, in denen in vier Schichten pro Werktag und drei am Sonntag, also mit insgesamt 27 Schichten pro Woche gefahren wird. Das grössere Kapitalbewusstsein dient letztlich der Steigerung des Eigenkapitalertrages, aber es reduziert auch den Kapitalbedarf insgesamt, wird also tendenziell zinssenkend wirken. Das müsste sogar die Gewerkschaft freuen: Dank besserer Ausnutzung des möglichst klein gehaltenen Kapitals werden die "Kapitalisten³ in Summe weniger wichtig; so, wie dank besserer Energienutzung die Energielieferanten weniger wichtig werden und es billiger geben müssen. (Schluss) JT

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Das WirtschaftsBlatt
Tel.: (01) 91919/316

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB/OTS