"Neue Zeit Kommentar": "Internet-Politik" von Peter Kolb

Ausgabe vom 4.5. 2000

Graz (OTS) - Die heimische Politik entdeckt schön langsam das Internet und die neuen Informationstechnologien. Schön. Wie wirkt sich das in der Praxis aus? Da hält Bundeskanzler Wolfgang Schüssel es für erforderlich, "nicht fahnenschwingend zu demonstrieren, sondern in einen Ideenwettbewerb einzutreten". Gesagt, getan. So hielt es der Kanzler wohl für eine gute Idee, am 1. Mai Flagge zu zeigen und einen "Tag der neuen Arbeit" auszurufen. An selbigem trat er dann vor TV-Kameras auf und hatte einen Laptop vor sich stehen. Damit soll wohl das von Schüssel propagierte "e-government" - die Inanspruchnahme des öffentlichen Dienstes über das Internet -symbolisiert werden. Man erinnere sich: Als die Demos gegen die VP-FP-Regierung begannen, waren soviele Jugendliche mit dabei, dass der Kanzler diese als "Internet-Generation" verspottete. Als Bezeichnung für Jugendliche, die zwar perfekt surfen, aber sonst von Tuten und Blasen keine Ahnung haben. Eine abschätzige, rührend ahnungslose Einschätzung von Jugendlichen und ihres Erinnerungsvermögens, wenn Schüssel sich nun mit Laptop schmückt. Aber auch die SP begeht einen Fehler, wenn sie falsche Signale aussendet, wie am Parteitag mit dem groß plakatierten Slogan "Neust@rt". Neo-Vorsitzender Alfred Gusenbauer hatte dann für diese angekündigte Form der Erneuerung fünf Sätze übrig. Ein Hinweis: Wer sich ins Netz begibt, muss damit leben. Denn da werden alle unbedachten Ansagen und Versprechen für Hunderttausende leicht erreichbar festgehalten.

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