"Neues Volksblatt" Kommentar: "Spätfolgen" (Von Franz Rohrhofer)

Ausgabe vom 4. 5. 2000

Linz (OTS) - Das sieht aufs erste nach einer späten
Rehabilitierung des Wiener Alt-Kardinals Hans Hermann Groer aus. Die Zahl der Kirchenausstritte als unmittelbare Folge seiner Affäre wurde im Vorjahr noch übertroffen, obwohl heute kaum noch jemand vom Fall Groer spricht. Man sollte aber die Spätfolgen der Ereignisse von damals nicht unterschätzen. Immerhin gab es seither ein Kirchenvolksbegehren und den schüchternen Versuch eines Dialogs mit Österreich. Das mag manche Hoffnung geweckt haben, dass die Führung dieser Kirche nicht nur auf Beruhigung setzt, sondern auch auf Bewegung hin zu den Sorgen und Bedürfnissen des Menschen von heute. Diese Bewegung ist gebremst, der Dialog weitgehend verstummt. Der Fall Groer war dem Papst bei seinem Besuch in Österreich nicht einmal eine Silbe wert. So verwundert es nicht, dass auch die schönen Zeremonien rund um das Oberhaupt der katholischen Kirche nichts an der Entfremdung vieler Christen ändern konnten. Sicher werden viele Kirchenaustritte unmittelbar durch den jährlichen Erlagschein ausgelöst. Die Ursachen liegen tiefer. Die römische Amtskirche und manche Filiale macht oft den Eindruck, sie diene nicht dem Menschen, sondern der Institution. Gelingt nicht der Schritt zum Menschen, genügt ein Erlagschein zum Austritt.

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