ZiS-Event zum Tag der Pressefreiheit: "Ohne Pressefreiheit gibt es auch keine Freiheit in der Gesellschaft"

Wien (OTS) - Rund 500 Schülerinnen und Schüler nahmen am 3. Mai in der Wiener Innenstadt am Stock-im-Eisen-Platz an einem Open Air-Event anlässlich des Internationalen Tages der Pressefreiheit teil, das unter dem Motto "Zeitunglesen beflügelt - vorausgesetzt, der Zeitung sind die Flügel nicht gestutzt worden!" statt. Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer betonte bei diesem vom Verein "Zeitung in der Schule" (ZiS) gemeinsam mit amnesty international (ai) und der Österreich-Sektion von "Reporter ohne Grenzen" gemeinsam veranstalteten Event, die Notwendigkeit, für die Meinungs- und Pressefreiheit als Grundrecht in einer Demokratie einzutreten. Sie unterstreicht die Bedeutung der ZiS-Arbeit, durch die junge Menschen lernen, kritisch zu lesen, und das, was ihnen in den Medien geboten wird, auch kritisch zu hinterfragen.

Wie sehr sich die Einstellung geändert habe, wurde vom Wiener Stadtschulratspräsidenten Kurt Scholz angesprochen, der sagte, er entstamme noch einer Generation, "wo man die Zeitung unter der Schulbank gelesen hat". Heute liege sie auf der Schulbank - "und das ist richtig so". Dazu leiste ZiS einen "großartigen" Beitrag, weil auch das Bewusstsein geschärft werde: "Wenn es keine Medienfreiheit gibt, dann gibt es auch keine Freiheit in der Gesellschaft."

"Man riskiert jeden Tag sein Leben"

Wie eng dieser Zusammenhang ist, wurde bei der von ZiS-Geschäftsführerin Gerda Schaffelhofer moderierten Veranstaltung durch "Augenzeugen" deutlich gemacht. Alexis Nshimyimana Neuberg, aus Ruanda stammender Direktor von Radio Afrika, und der Journalist Emmanuel Kamdem aus Kamerun beleuchteten die Situation der Pressefreiheit in Afrika. Mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgten die jungen Menschen u. a. die Ausführungen Kamdems, der von einem Interview mit einem Oppositionspolitiker in Kamerun berichtete, bei dem die Polizei alle Beteiligten verhaftete. Kamdem: "Es ist schwer, in Kamerun ein Journalist zu sein. Man riskiert jeden Tag sein Leben. Wenn du etwas schreibst, kann es sein, dass du ins Gefängnis kommst oder einfach überhaupt verschwindest."

Gegenüber "Signalen der Veränderung" hellhörig bleiben

Nur in 30 Staaten seien weltweit Medien halbwegs frei und könnten unabhängig berichten, erläuterte ai-Generalsekretär Heinz Patzelt, in über 130 Staaten der Welt werde jedoch "das Menschenrecht auf Pressefreiheit und freie Meinungsäußerung mit Füßen getreten, ignoriert, unterbunden oder nicht zugelassen". Journalistinnen und Journalisten seien in vielen Regionen der Erde Menschen, "die der Wahrheit nachlaufen" und sie seien oft die einzigen, "die anderen Menschen mitteilen, was in verschiedenen Ländern der Welt passiert. Wenn dann diese Menschen auch noch brutal unterdrückt werden, dann sind die Menschenrechte mit Verlässlichkeit am Ende." Patzelt nannte dafür zahlreiche Beispiele und mahnte seine junge Zuhörerschaft auch zu Hellhörigkeit gegenüber "Signalen der Veränderung" in Österreich.

Demokratie braucht kritische Leser

"Wenn in einem Land die Zeitungen schreiben können, was zu schreiben ist, dann ist die Demokratie in Ordnung", unterstrich Barbara Coudenhove-Kalergi in ihrem Statement, wobei es auf die Leser ankomme, aufzupassen und darüber zu wachen, "dass es so bleibt". Würden Menschen nicht mehr informiert darüber, was los ist, dann gebe es keine Demokratie, "dann gibt es nur Untertanen". Sie habe in Osteuropa vor 1989 viele Journalisten kennengelernt, die für ihre Arbeit ins Gefängnis gegangen sind. "Diese undemokratischen Regime sind aber nicht zuletzt deshalb zu Grunde gegangen, weil es immer wieder Menschen gegeben hat, die sich nicht haben einschüchtern lassen, und die - wenn alles rundherum gelogen hat - die Wahrheit geschrieben haben."

"Zeitunglesen beflügelt ..."

Bei diesem Event in der Wiener Innenstadt wurde von Ministerin Gehrer eine "Riesenzeitung" enthüllt, für die im Vorfeld der Veranstaltung Schülerinnen und Schüler aus allen Bundesländern Artikel ausgewählt haben. Musikalische Brücken zum Thema baute der Liedermacher Christian Romanek, dessen Songs vom vorurteilsbeladenen "Friedrich Intolerant" und "Wir brauchen einen Sündenbock" Teilnehmer und Passanten nachdenklich stimmten. Eine Gruppe der Sir Karl Popper-Schule sorgte für eine choreographische Aufbereitung, die auch den offiziellen Schlusspunkt der Veranstaltung setzte: Aus einem Gefängniskäfig wurden zuerst Zeitungen - von österreichischen Tages-und Wochenzeitungen sowie Magazinen zur Verfügung gestellt -"befreit" und danach von jungen Kolporteuren an Teilnehmer und Passanten verteilt: "Zeitunglesen beflügelt ..." Im Rahmen der Veranstaltung wurde auch dazu aufgerufen, eine Petition zur Freilassung des syrischen Journalisten Nizar Nayyouf zu unterstützen, dem anlässlich des Internationalen Tages der Pressefreiheit 2000 der UNESCO-Preis zuerkannt wurde.

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