US-Anwalt Ed Fagan präzisiert im NEWS-Exklusiv-Interview seine Forderung.

Vorausmeldung zu NEWS 18/00 vom 4.5.00 + Fagan im ersten Interview nach Einbringung seiner 260 Milliarden Schilling-Klage: "Ich strebe einen Vergleich von 10 Milliarden Schilling an."

Wien (OTS) - + Fagan nennt die österreichische Regierungsbeauftragte Maria Schaumayer eine "inkompetente und unehrliche Großmutter" und sagt in Richtung Österreich: "Nun ist Zahltag!". =

Im ersten Interview nach Einbringung seiner 260
Milliarden Schilling-Klage gegen die Republik Österreich und österreichische Betriebe und Banken, präzisiert US-Anwalt Ed Fagan, der NS-Opfer vertritt, seine Forderungen. Die Klagssumme von 260 Milliarden Schilling, also 18 Milliarden Dollar, nennt Fagan "realistisch und sehr symbolisch" zugleich: "Denn die Zahl 18 bedeutet in der jüdischen Welt auch "Leben". Fagan: "Die Zahl ist aber auch realistisch. Wir haben Historiker und Ökonomen, die mehr als 18 Milliarden nachweisen werden. Ich hätte den dreifachen Betrag einfordern können." Der Betrag sei im Vergleich zur von Deutschland geleisteten Summe von 70 Milliarden Schilling deshalb so hoch, weil, so Fagan, die Deutschen bereits 60 Milliarden Dollar an Entschädigungen bezahlt haben. Österreich hat nie etwas bezahlt, sondern immer nur behauptet, es wäre selbst Opfer gewesen. Nun ist Zahltag."

Über die von der österreichischen Regierungsbeauftragten Maria Schaumayer genannte Summe von 6 Milliarden Schilling für den Versöhnungsfonds der Zwangsarbeiter, äußert sich Fagan empört: "Das entspricht nicht einmal einem Zehntel unserer Forderungen und ist völlig indiskutabel. Erst ab einem Angebot von 60 Milliarden Schilling für den Teilbereich der Zwangsarbeitsforderungen könnte ich meinen Klienten raten, über einen Vergleich nachzudenken - aber sicher nicht ei nur 6 Milliarden. Das Wichtigste ist aber: Auch ein Vergleich über 60 Milliarden würde die Arisierungsforderungen noch nicht abdecken, die müssen extra abgegolten werden und werden sicher teurer. Das heißt: Wir sprechen von einer Gesamtforderung von 10 Milliarden Dollar, also 140 Milliarden Schilling als Untergrenze."

Fagan hätte die Klage deshalb eingebracht, weil er kein Vertrauen in die Repräsentanten der österreichischen Regierung hat:
"Repräsentanten der österreichischen Regierung - vor allem Frau Schaumayer - reden mit doppelter Zunge: Einmal sagen sie, dass sie verhandeln, dann sagen sie, wir werden mit den Anwälten der Opfer niemals verhandeln. Sie haben mir mehrmals ins Gesicht gelogen. Sie haben meine Klienten angelogen. Über Schaumayer äußert sich Fagan despektierlich: "Respekt vor der Entscheidung der Regierung, Schaumayer zu nominieren, habe ich nur aus einem Grund: Noch nie hat jemand eine Pensionistin gegen uns antreten lassen - jemand, der wie meine Großmutter ist."

Die neue österreichische Regierung wolle sich, so Fagan, mit einem Schnellergebnis "ihr Ticket zurück in die EU erkaufen." Und weiter:
"Es erstaunt mich immer wieder, wie die einzelnen Länder bisher reagiert haben. Die erste Reaktion der Schweiz war, dass ein Botschafter von einer jüdischen Erpressung sprach. Er hat seinen Job verloren. Die Banken sagten, es gäbe keine Kosten. Dann fand eine Kommission Tausende Konten. Die Frage für mich seit damals ist: Gibt es ein Land, das sich noch dümmer verhalten kann? Die Deutschen waren schon schlauer. Aber die Österreicher übertreffen die Schweizer bei weitem - und das ist wirklich schwer."

Fagan legt allerdings Wert auf die Feststellung, dass er vor allem österreichische Banken und Betriebe, nicht aber den österreichischen Steuerzahler in die Verantwortung nehmen will. Fagan nennt etwa "die P.S.K., das Dorotheum und viele andere seitens der verstaatlichten Betriebe, oder auf privatwirtschaftlicher Seite Raiffeisen und Erste Bank - die waren am meisten in Arisierungen involviert". Und weiter:

"Die Privatindustrie kann die Forderungen locker zahlen: Stronachs Magna, Steyr-Daimler-Puch, kann ein Multi-Millionen-dollar-Forderung zahlen." Nicht aber die österreichischen Steuerzahler: "Eure Regierung hat das Geld doch gar nicht, um Forderungen von 10 Milliarden Dollar abzudecken. Ich sehe hier eine Strategie, die besonders trickreich ist. Zuerst verspricht man, alles zu zahlen, ohne das Geld zu haben. Dann wird man damit drohen, die Summe von den Steuerzahlern etwa über eine eigene Holocaust-Steuer einzutreiben. Das führt dann zu einer enormen Anti-Entschädigungs-Stimmung in der Bevölkerung, zu einem neuen Antisemitismus.

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