Sicher Leben-Produktsicherheitsdienst: 6.000 Verletzte bei privater Holzarbeit

Wien (OTS) - Jeder fünfte Haushalt heizt mit Holz. Viele schneiden bereits im Frühjahr das Holz, um es bis zum Herbst trocknen lassen zu können. Jedes Jahr verletzen sich aber rund 6.300 Personen in der Freizeit mit Kreis- und Kettensägen sowie Hacken. Jeder zweite Unfall beim Holzen ist dabei ein Kreissägeunfall (rd. 3.000 Verletzte), rund 1.800 Amateurholzer kommen wegen Verletzungen durch Hacken oder Äxten in die Notaufnahme, ca. 1.500 fallen einem Unfall mit Kettensägen zum Opfer (Quelle: Unfallerhebungssystem für Heim-, Sport-, Freizeitunfälle EHLASS).

620 Amputationen

Häufige Verletzungen sind Schnitt- oder Rißwunden an den Fingern, die in den meisten Fällen ambulant versorgt werden können. Dennoch sind jedes Jahr rund 620 dieser Verletzungen so schwer, daß sie zur Amputationen eines oder mehrerer Finger führen. Besonders häufig kommt es dabei beim Kreissägen zu schweren Verletzungen, die rund 90 Prozent der Fingeramputationen beim Holzschneiden ausmachen (rd. 560).

Die meisten Unfälle durch Fahrlässigkeit

Die meisten Privatpersonen, die nach einem Unfall beim Holzarbeiten ins Spital kommen, geben eigene Fahrlässigkeit oder mangelnde Schutzausrüstung als Unfallgrund an. So werden oft Schutzabdeckungen von Kreissägen abmontiert, um größere Holzstücke sägen zu können oder in der Säge verklemmte Holzsplitter mit dem Finger entfernt, ohne den Motor abzustellen. Beim Holzhacken werden die Beine meist aus Bequemlichkeit in die Fall-Linie der Hacke gestellt oder eine Hand wird dazu verwendet, das Holzscheit am schiefen Hackstock zu halten. Unerfahrene oder leichtsinnige Holzer setzten Kettensägen in allen Lagen und unter jeder denkbaren Körperverrenkung ein. Eine Säge, deren Kette sich im Holz verhängt, ist aber nur mit festem Handgriff und in aufrechter Körperhaltung unter Kontrolle zu halten.

Die richtige Ausrüstung

Handschuhe: Wenn Kreissägen mit Haltevorrichtungen für das Schneidgut ausgestattet sind, spricht nichts gegen das Tragen von Handschuhen.

In allen anderen Fällen ist jedoch das Tragen von Handschuhen abzulehnen, da die Hände so leichter vom rotierenden Sägeblatt erfaßt werden können.

Gehörschutz: Maschinenlärm, der normales Sprechen übertönt, ist auf Dauer zu laut: Ein Gehörschutz muß getragen werden. Kapselgehörschützer und Gehörstöpsel dämmen arbeitstypische Lärmfrequenzen, ermöglichen aber Sprechkontakt.

Schutzbrille: Kein Lidreflex ist schneller als absplitternde Holzteile. Schutzbrillen sind billig, bewahren aber das kostbarste Sinnesorgan vor Schaden.

Professionelle Kettensägehelme sind bereits mit Gesichts- und Gehörschutz ausgestattet.

Kleidung: Weite Arbeitskleidung gerät leicht in rotierende Maschinenteile. Optimale Arbeitsbekleidung liegt daher an Armen und Oberkörper knapp an, ohne die Bewegungsfreiheit sehr einzuschränken.

"Sicher Leben"-Tips für die Kreissäge

- Kein Arbeitsgang ohne Spaltkeil und Rückschlagsicherung. Ist der Abstand zwischen Parallelanschlag und Sägeblatt kleiner als 12 Zentimeter, muß ein Stock zum Vorschieben verwendet werden.

"Sicher Leben"-Tips für die Kettensäge

- Die Schnittschutzhose macht zwar nicht unverwundbar, verhindert aber schwere Beinverletzungen, falls die Kettensäge abrutscht.

- Kettensäge beim Starten entweder am Boden abstellen und festhalten, oder im Stehen zwischen die Oberschenkel einklemmen.

- Kettensäge immer mit beiden Händen halten. Mit möglichst hoher Motordrehzahl schneiden.

"Sicher Leben"-Tips für das Arbeiten mit der Axt

- Holz bereits vor dem Hacken so zusägen, daß ein Spalten mit der Axt leicht möglich ist. Wer Holz ständig mit Spaltkeilen und Schlegel brechen muß, vergeudet Kraft und Zeit.

- Nur eine scharfe Schneide ermöglicht genaues Arbeiten, Schneide daher regelmäßig schärfen.

44.000 Interviews im Dienste der Produktsicherheit

Die Auswertung zu Unfälle beim Holzen basiert auf Daten des Unfallerhebungssystemes für Heim-, Sport- und Freizeitunfälle EHLASS. Das Institut "Sicher Leben" erhebt in Kooperation mit dem Gesundheitsministerium und dem Büro für Konsumentenschutz im Justizministerium die österreichischen Daten für dieses europäische Unfallerhebungssystem. Eigens für EHLASS angestellte und geschulte Interviewer sprechen in vier österreichischen Spitälern mit ambulant und stationär behandelten Unfallopfern, die sich im Haushalt, beim Sport oder in der Freizeit verletzt haben. EHLASS ermöglicht so nicht nur, gefährliche Produkte zu erkennen und gegebenenfalls vom Markt abzuziehen, es ist vor allem auch ein System, um Unfallzusammenhänge zu untersuchen und damit Informationen zur laufenden Verbesserung von Produkten zu gewinnen. Derzeit stehen rund 44.000 Interviews zur Verfügung.

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