ÖGB: Altersgerechte Arbeitswelt ist möglich

"Umbau statt Abbau, Erfahrung statt altes Eisen"

Wien (ÖGB)."Ohne altersgerechte Gestaltung der Arbeitswelt werden Krankenstandstage und Erkrankungen ebenso wie Arbeitsunfälle steigen und damit auch die finanziellen Belastungen für Betriebe und Volkswirtschaft", warnten heute, Mittwoch, Vertreter der Gewerkschaften sowie GesundheitsexpertInnen bei einer Pressekonferenz im Rahmen der Enquete "Alt, erfahren und gesund".++++

Im Jahr 2003 werden in allen westlichen Ländern mehr über 50-Jährige als unter 30-jährige berufstätig sein. Auf diese Entwicklung muss mit gesundheitsfördernden Maßnahmen reagiert werden, zumal von der derzeitigen Regierung tendenziell vorgegeben wird, dass der Mensch länger im Arbeitsprozess tätig sein soll.

In Zeiten des FPÖVP-Belastungspaketes, das das ArbeitnehmerInnenschutzsystem Österreichs um Jahre zurückwirft, "erfordert dies von den Gewerkschaften vermehrtes politisches Engagement", sind Rudolf Hundstorfer, Wiener Vorsitzender der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten (GdG), und Metallgewerkschafter NR-Abg. Franz Riepl überzeugt.

Altersgerecht: "Rat der Weisen"

Das Umfeld Arbeitsplatz bietet vielfältige Risiken, aber auch Möglichkeiten für den Menschen in der zweiten Phase seines Berufslebens. Diese beginnt laut Institut für betriebliche Gesundheitsförderung (IBG) ab dem vierzigsten Lebensjahr. Dann lassen die körperlichen Fähigkeiten nach und die Schwerpunkte der Aufgabenstellung sollten sich in Richtung Komplexität, soziale Transaktion und Weitsicht verlagern. Vergleichbar mit dem richtungsweisenden "Rat der Weisen" aus früherer Zeit, dessen Mitglieder nicht mehr mit körperlicher Arbeit belastet wurden, sondern ihre große Erfahrung und Routine einbrachten. Dementsprechend solle auch "Umbau statt Abbau" die Devise sein.

Neben der altersgerechten Arbeitswelt waren die Belastungen des Bewegungsapparates im Beruf und die Gesunderhaltung von ArbeitnehmerInnen durch richtige Ernährung weitere Themen der Veranstaltung. "Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates stellen die häufigsten Ursachen für den vorzeitigen Eintritt in den Ruhestand dar", stellte Primaria Dr. Katharina Pils vom SMZ-Sophienspital in ihrem Referat über berufsbedingte Muskel- und Skeletterkrankungen fest und regte zu präventiven Strategien an. Alle Hauptthemen wurden in Arbeitsgruppen näher beleuchtet. Erfolgreiche Modelle, wie altersgerechte Schichtplanung der Firma Polyfelt, oder die beispielhafte Betriebsverpflegung in der VOEST wurden vorgestellt und diskutiert. Aktive Hilfe bei körperlichen Problemen und Projekte für Vorbeugemaßnahmen, wie sie die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) betreibt, wurden dargestellt.

Die Veranstalter wollen mit der Enquete, die im Vorfeld des 3. Internationalen Geriatriekongresses stattfand, einen Anstoß in Richtung zeitgerechte Gesundheitsförderung geben. Gesunde Menschen sind motivierter, produktiver und "kosten" auf Dauer sowohl Betrieben als auch Gesellschaft weniger.

Dass die politische Dimension gerade in Zeiten drohenden Sozialabbaues nicht unberücksichtigt bleibt, versteht sich bei einer Veranstaltung unter gewerkschaftlicher Federführung von selbst: "Wir Gewerkschafter werden immer Zeichen und Signale der Besorgnis und Unzufriedenheit geben, wenn die Gesundheit und Sicherheit der Arbeitnehmer auf dem Spiel steht." Als Beispiel nannten Riepl und Hundstorfer die Übersiedelung des Arbeitsressorts aus dem Sozial- ins Wirtschaftsministerium, womit man "den Bock zum Gärtner gemacht und die Zerschlagung des mühsam erkämpften ArbeitnehmerInnenschutzgesetzes begonnen hat", kritisierten die Gewerkschafter. (ff)

ÖGB, 3. Mai 2000

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