Görg: Projekt Bahnhof Wien Mitte nimmt konkrete Formen an

Wien, (OTS) Vizebürgermeister Dr. Bernhard Görg freute sich in einer Pressekonferenz am Mittwoch die Endpräsentation des Projektes Bahnhof Wien Mitte durchführen zu können, bevor das Plandokument am 4. Mai 2000 zur Beschlussfassung in den Wiener Gemeinderat geht. "Nach einem langwierigen Entwicklungsprozess ist es nun so weit", so Vizebürgermeister Bernhard Görg, "das Projekt Bahnhof Wien-Mitte nimmt konkrete Formen an: der heutige Ostblock-Charme des Tores zur Landstraße soll endgültig einer modernen urbanen Bebauung mit internationalem Flair weichen".

Die aktuellen Planungen für eine Attraktivierung dieses durch U- und S-Bahnen hervorragend erreichbaren Bereiches von Wien, reichen schon in die 80-er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurück. "Es hat einen langen Informations- und Diskussionsprozess zwischen den Bürgern, Projektbetreibern, Politikern, und der
Wiener Stadtplanung gegeben, nun soll eine daraus erarbeitete Konsensvariante realisiert werden", erklärte Vizebürgermeister Görg. Diese Variante sieht nur mehr drei statt der zuvor sechs geplanten Hochhaustürme vor. Bei endgültiger Abwicklung der Baugenehmigungs-verfahren soll der 4,2 Milliarden Schilling teure Umbau des Busbahnhofes im Jahre 2006 abgeschlossen sein, so Vizebürgermeister Görg weiter.

Die Geschichte des Bahnhofs Wien Mitte

Im Zuge des Stadtbahnbaues, der Verbindungsbahn und der Wienfluss-Regulierung wurde bereits 1893 der ehemalige Bahnhof Hauptzollamt tiefer gelegt, gegenüber wurde 1865 die Großmarkthalle (heute Hotel Hilton) errichtet, in der Spätgründerzeit entstanden zwischen Wienfluss und Hauptzollamt vier Baublöcke mit Wohnhäusern und dem Bürgertheater. Mit der Aufnahme des Schnellbahnverkehrs auf der Trasse der
Verbindungsbahn durch die ÖBB im Jahre 1962 sowie der Errichtung eines zentralen Busbahnhofes erhielt der Bereich um die
Landstraßer Brücke eine erhöhte Bedeutung. Geschäfts- und Bürohäuser wurden auf der Bahnhofseindeckung, das Verwaltungsgebäude der Zentralsparkasse (heute Bank Austria) anstelle des Bürgertheaters errichtet. Mit dem Bau des Hotels Hilton, des Landstraßer Marktes, des ersten Einkaufszentrums Österreichs (AEZ) an der Landstraßer Brücke und zuletzt der Raiffeisen Zentralbank im Bereich Große Ungarbrücke erreichte die Bebauung des ehemaligen Hafenbeckens des Wiener Neustädter Kanals ihr bis heute größtes Ausmaß.

Obwohl der Bahnhof Wien-Mitte zu den wichtigsten
Verkehrsknoten Wiens zählt (S-Bahn-Stammstrecke, U 3, U 4 und Regionalbusse) wurde das Erscheinungsbild des Bahnhofsareals im Laufe der Jahre immer unattraktiver und wies einen teilweise schlechten Zustand auf - auch das AEZ war zuletzt ungenutzt und verfiel. Diese triste allgemeine Situation, die sich im eklatanten Gegensatz zur hervorragenden Standortgunst befindet, machten Überlegungen für eine städtebauliche, stadtstrukturelle und nutzungsmäßige Neugestaltung und Verwertung des Areals unter besonderer Berücksichtigung einer weit gehenden Entflechtung der komplizierten Grundbesitzverhältnisse schlüssig und notwendig.

Schon 1991 wurde auf Grundlage von Vorstudien (Prof. Rainer/Knoflacher) ein Gutachterverfahren (6 Architekten) durchgeführt. Der Entwurf der Architekten Ortner&Ortner wurde von der Jury zum Leitprojekt gekürt: dieses sah damals im Wesentlichen die Schaffung eines Nutzungsmix aus Geschäften, Wohnungen, Büros, Kultur- und Sozialeinrichtungen unter Integration bestehender Einrichtungen (S-Bahnhof, Busbahnhof, AEZ, Geschäfte) vor. Nach dieser Bearbeitungsphase erfolgte 1992 die Einleitung des Widmungsverfahrens, wobei die Forderungen und Anregungen der Bezirksvertretung Landstraße und der Bevölkerung eingearbeitet wurden. Das entsprechende PD 6397 ist nunmehr seit März 1993 rechtsgültig.

Doch aufgrund der schwierigen Rahmenbedingungen (Immobilienflaute, Sättigung des Wohnungsmarktes, komplizierte Grundstücksverhandlungen, langwierige Absiedelungsverhandlungen
des Bauträgers mit Mietern) verzögerte sich bis dato eine Projektrealisierung. Aufbauend auf diesen neuen Rahmenbedingungen und auf den Ergebnissen des Gutachterverfahrens aus dem Jahre 1991 wurden die geänderten Nutzungsvorstellungen umfangreichen Studien im Rahmen eines Raumverträglichkeits- und Verkehrsgutachtens unterworfen, was jedenfalls eine Neubearbeitung des bestehenden Flächenwidmungs- und Bebauungsplanes erforderlich machte.

Die jüngste Projekt-Entwicklung

Am 9. November 1999 stellten Bürgermeister Dr. Michael Häupl und Vizebürgermeister Dr. Bernhard Görg gemeinsam mit den Projektbetreibern das Projekt Wien-Mitte der breiten
Öffentlichkeit im Rahmen einer Bürgermeisterpressekonferenz vor. In der öffentlichen Auflage (28. Oktober 1999 bis 9. Dezember
1999) gemäß § 2 der Bauordnung für Wien gaben viele BürgerInnen zum vorliegenden Entwurf Nr. 7255 des Flächenwidmungs- und Bebauungsplanes zum Teil sehr kontroversielle Stellungnahmen ab.

Vor allem die Bürgerinitiative Wien-Mitte äußerte ihren Unmut und ihre Besorgnis gegen die vorgesehene urbane Verdichtung des Verkehrsknotens Wien-Mitte. Kritisiert wurden vor allem die Höhe und die Anzahl der Hochhaustürme des Projektes und deren stadträumliche Wirkung. Befürchtet wurde auch ein Verkehrsinfarkt in den angrenzenden Teilen des 3. Bezirks bzw. negative
Auswirkungen auf die Landstraßer Hauptstraße als Geschäftsstraße.

In einem breit angelegten öffentlichen Diskussionsprozess mit den besorgten BürgerInnen wurde unter Federführung von Vizebürgermeister Dr. Bernhard Görg, Bezirksvorsteher Erich Hohenberger und der Bezirksvertretung Landstraße unter Miteinbeziehung der Projektbetreiber nunmehr in zahlreichen Informationsveranstaltungen sowie Einzel- und Gruppengesprächen
mit den BürgerInnen umfangreiche Aufklärungsarbeit geleistet. Als Ergebnis dieser intensiven Bemühungen, einen Konsens im Interesse der Anrainer und Anwohner des 3. Bezirks und der Wiener Stadtbevölkerung für dieses wirtschaftspolitisch so wichtige Vorhaben zu finden, soll nun folgende Variante des Projektes Wien-Mitte in Form des Plandokumentes 7255 dem Wiener Gemeinderat zur Beschlussfassung vorgelegt werden:

Das geplante Erscheinungsbild des Bahnhofs Wien Mitte

In Abstimmung mit den Intentionen der Bezirksvertretung Landstraße und den Mitgliedern des Fachbeirates für Stadtplanung und Stadtgestaltung sollen nunmehr statt bisher 6 Hochhaustürme
nur mehr 3 (2 Türme an der Gigergasse mit jeweils 87 m Gebäudehöhe, ein Turm an der Landstraßer Hauptstraße mit 97 m Gebäudehöhe) errichtet werden. Der Turm an der Gigergasse/Marxergasse soll als verdrehter Kubus (die Richtung der Bebauungskante der angrenzenden Bundesamtsgebäude aufnehmend) auf einem ca. 40 m hohen 1. Sockelhochhaus ruhend, angeordnet werden. Ebenso beinhaltet der Turm an der Landstraßer Hauptstraße einen aufgesetzten verdrehten Kubus auf einem 69 m hohen 2. Sockelhochhaus. Aus Belichtungs- und Beschattungsgründen zu den Liegenschaften an der Gigergasse sollen nicht nur die
Hochhaustürme an den zentralen Bauplätzen entfallen, sondern auch eine Baulinienaufweitung an der Gigergasse (um 1,2 m an den Flügelbauplätzen, um 2,5 m bzw. 5 m an den zentralen Bauplätzen) vorgenommen werden. Um die Belichtungs- und Beschattungssituation
an der Gigergasse weiter zu verbessern, sollen die Sockelbaukörper an der Front Gigergasse eine Gebäudehöhe von rund 30 m aufweisen, die unter einem Rücksprung von 5 m auf rund 40 m Gebäudehöhe endgültig ansteigt.

Die Berücksichtigung eines "Urban Entertainment Centers" mit Freizeit-, Gastronomie- und Geschäftsnutzungen soll in Form eines Einkaufszentrums mit 28.000 m2 Nutzfläche widmungsmäßig als Einkaufszentrum berücksichtigt werden, wobei vor allem der Gastronomie- und Geschäftsbereich als Ergänzung zum bestehenden Angebot der Landstraßer Hauptstraße als Geschäftsstraße vorgesehen ist. Gerade die Synergieeffekte einer solchen wienweit
einzigartigen Konsum- und Freizeiteinrichtung im Rahmen eines Einkaufszentrums sollen belebend auf die Geschäftsstrukturen der Landstraßer Hauptstraße wirken.

Die Neugestaltung und -dimensionierung des Busbahnhofes Wien-Mitte sieht eine weit gehende Auslagerung des Bus-Terminals betreffend die Regionalbuslinien auf andere Standorte (Südtiroler Platz, U 3-Endstelle Simmering, U 6-Endstelle Floridsdorf) vor,
was sicherlich zu einer Entlastung des Individualverkehrs im bestehenden Straßenraum bzw. zu einer Verringerung der Lärmbelastung führen wird. Eine weitere Milderung des Verkehrslärms ist auf Grund der hervorragenden öffentlichen Verkehrsanbindung und der vorgesehenen Nutzungen mit einem Zielpublikum, das vielfach öffentliche Verkehrsmittel in Anspruch nimmt, mit der Festsetzung eines "Stellplatzregulativs", mit dem
nur mehr die Hälfte der laut BO für Wien vorgeschriebenen Stellplätze geschaffen werden müssen, zu erwarten. In Fortsetzung der umgebenden Straßenzüge wurden zudem großzügige Durchgangswege für Fußgänger beim Projekt Wien-Mitte vorgesehen, um eine optimale Erreichbarkeit des Bahnhofsbereiches und der angeschlossenen öffentlichen Verkehrsmittel zu gewährleisten, welche mit dem endgültigen Ausbau der Flughafen-Schnellbahn S 7 noch zusätzlich attraktiver werden.

Im Bereich Große Marxer Brücke soll - der Grundkonzeption des Gutachterverfahrens und den Intentionen des Fachbeirats für Stadtplanung und Stadtgestaltung folgend - ebenfalls eine Überbauung der Schnellbahn-Stammstrecke zu den benachbarten Bundesgebäuden hin widmungsmäßig berücksichtigt werden, wobei die dort projektierten Baukörper in modifizierter Form der Höhenentwicklung mit ihrer wie beim Projekt Wien-Mitte Hierarchie folgen (29 m, 69 m, 87 m Gebäudehöhe). Die hier entstehenden Büronutzungen sollen das Gesamtbild des Areals um den heutigen Busbahnhof gemeinsam mit dem gerade in Fertigstellung befindlichen Büro- und Kinoprojekt "Wien 3" zusätzlich abrunden und attraktivieren.

Bei der Projektrealisierung von Wien-Mitte sollen, so der Projektbetreiber und die Bezirksvertretung Landstraße, die betroffenen Anrainer soweit wie möglich miteinbezogen werden. Bei einer endgültigen Abwicklung der folgenden Baugenehmigungs-verfahren soll der 4,2 Milliarden Schilling teure Umbau des Bahnhofes Wien-Mitte im Jahre 2006 abgeschlossen sein. (Schluss)
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