OeNB-Das österreichische Bankenanalysesystem

in der Publikationsreihe "Berichte und Studien",

Wien (OTS) - Heft 1/2000, erschienen

Seit Jahren werden Kreditinstitute weltweit
angehalten, Daten an die jeweilige Aufsichtsbehörde zu liefern.
Die Bankenaufsicht findet sich dabei im Zielkonflikt zwischen
einem effizienten (also möglichst wenige Daten) und einem effektiven (jeweils doch die notwendigsten Daten aus einer Datenfülle) Reporting wieder. Da im Rahmen der Aufsichtsarbeit nicht unbedingt vorhersehbar ist, welche Daten im Einzelfall von Bedeutung sein könnten, wird von den meisten Ländern ein umfangreiches Meldesystem bei entsprechender EDV-Ausstattung präferiert. Aus der erhobenen Datenvielfalt kann jedoch nur mit Hilfe ausgereifter Analysesysteme sinnvoll und rasch die
notwendige Information gewonnen werden.

Die Oesterreichsiche Nationalbank analysiert sowohl auf Grund ihres gesetzlichen Auftrags laut BWG als auch aus geld- und währungspolitischem Interesse regelmäßig die österreichische Bankenlandschaft. Die Basis für diesbezügliche Analysen bilden neben zahlreichen qualitativen Informationen die von den Geschäftsbanken gemeldeten Daten.

Diese systematische Analyse einer großen Anzahl von Kreditinstituten ist mit vertretbarem Arbeitseinsatz nur durch automationsunterstützte Systeme, die eine Konzentration der detaillierten Beobachtung auf die wahrscheinlichsten Risikofälle erreichen, einigermaßen verlässlich möglich. Aus diesem Grund wurde ein modulares Analysesystem entwickelt, dessen Methodik bereits 1994 - in derselben Schriftreihe - publiziert wurde.

Mit den zur Verfügung stehenden Modulen dieses Bankenanalysesystems soll einerseits eine eingehende und
möglichst umfassende Analyse eines einzelnen Kreditinstituts in Richtung Bilanzstruktur-, Ertrags- und Risikoentwicklung (wobei
die Einzelinstitutsergebnisse in verdichteter, standardisierter
Form dargestellt und ähnlich strukturierten Konkurrenzinstituten gegenübergestellt werden können), und andererseits ein automatisches Feststellen auffälliger bzw. vom allgemeinen Trend abweichender Tendenzen zur Erkennung unerwünschter Entwicklungen bei Einzelinstituten erreicht werden.

Das beschriebene Bankenanalysesystem kann jedoch nicht als kurzfristiges Frühwarnsystem angesehen werden, da die einzelnen Berechnungen immer auf Basis von vergangenen Daten durchgeführt werden. Der Time Lag zwischen Dateneintritt und Analyse bedingt
ein entsprechend verzögertes Reagieren auf plötzliche, aus dem Meldewesen nicht sofort erkennbare Änderungen. Allerdings können Unregelmäßigkeiten, Entwicklungsbrüche, strukturelle Schwächen, aber auch Stärken oder generell negative Entwicklungen von einzelnen Instituten besser beobachtet und durch das
Filtersystem angezeigt werden. Grundsätzlich kann daher festgestellt werden, dass dieses (wie fast jedes) automationsunterstützte Auswertungssystem dazu beiträgt, auf
Grund des vorliegenden Datenmaterials gezielt Fragen zu stellen
und deren Beantwortung als Grundlage für eine umso tiefer
gehende und effizientere individuelle Analyse zu nehmen.

Auf Grund zahlreicher Anfragen sowie diverser Änderungen und Erweiterungen bzw. Neuerungen im Lichte internationaler
Vergleiche und gewonnener Erfahrungen in der praktischen
Anwendung schien es sinnvoll, neuerlich eine Beschreibung des österreichischen Bankenanalysesystems mit all seinen Modulen zu veröffentlichen.

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