OeNB-Gibt es einen Kreditkanal in Österreich

in der Publikationsreihe "Berichte und Studien",

Wien (OTS) - Heft 1/2000, erschienen

Obwohl allgemein Übereinstimmung besteht, dass
die Geldpolitik kurzfristig erhebliche Wirkung auf den realen
Sektor ausübt, bleibt umstritten, wie sich dieser Einfluss im Einzelnen überträgt. Neben der direkten Übertragung geldpolitischer Impulse durch Änderung der Zinssätze wird in jüngerer Zeit verstärkt der Kreditkanal diskutiert. Es wird
dabei zwischen dem Kreditvergabekanal, der ein fallendes Angebot
an Bankkrediten unterstellt, sowie dem Bilanzkanal, der eine Verschlechterung der Kreditwürdigkeit annimmt, unterschieden. Sollte die Geldpolitik über den Kreditkanal wirken, bedeutet
dies, dass kleinere und hoch verschuldete Unternehmen als Folge asymmetrischer Information stärker unter geldpolitischen
Maßnahmen zu leiden hätten. Österreich ist ein interessantes Beispiel, um die Übertragung der Geldpolitik durch den
Kreditkanal zu untersuchen, da die österreichische Wirtschaft
durch überwiegend kleine und mittlere Unternehmen gekennzeichnet ist. Andererseits spielen zinssubventionierte Kredite sowie Hausbankbeziehungen in Österreich eine große Rolle, wodurch die Wirkung des Kreditkanals möglicherweise wieder vermindert wird.

Der empirische Nachweis der geldpolitischen Transmission über den Kreditkanal ist nur auf indirektem Wege möglich. Zuerst muss gezeigt werden, dass kleinere Firmen stärker unter Finanzierungsrestriktionen leiden als große Unternehmen. Man schließt auf Kreditbeschränkungen, wenn für kleine Firmen die Investitionen stärker durch die verfügbare Innenfinanzierung bestimmt werden als für große Firmen. Anschließend untersucht
man die Entwicklung der Kreditbeschränkungen in Abhängigkeit von der Geldpolitik.

In der vorliegenden Studie werden die von der OeNB erhobenen Bilanzdaten österreichischer Unternehmen verwendet, die für die Jahre 1970 bis 1998 durchschnittlich 1.000 Firmen pro Jahr
umfassen. Eine erste Analyse der Daten anhand deskriptiver Statistiken zeigt für den Kreditkanal typische Muster auf.
Kleine Firmen weisen eine höhere Verschuldung, ein geringeres Verhältnis von Investitionen zu Umsatz sowie höhere durchschnittliche Zinszahlungen auf.

Eine genauere Analyse ist mit Hilfe von Regressionen möglich. Für ein Panel von Unternehmen wird eine Investitionsfunktion geschätzt, die neben den aus der Investitionstheorie
abgeleiteten Variablen auch den Cash-Flow umfasst, der die Finanzierungsbeschränkungen abbilden soll. Die Regressionsergebnisse zeigen, dass die verfügbare
Innenfinanzierung für kleinere Firmen einen stärkeren positiven Effekt auf die Investitionen ausübt. Darüber hinaus steigen für kleine Firmen die Finanzierungsrestriktionen bei restriktiver Geldpolitik stärker als für größere Unternehmen. Folglich scheint der Kreditkanal für die Übertragung der Geldpolitik in Österreich von Bedeutung zu sein. Der traditionelle Zinskanal
hat dagegen offenbar keine nennenswerte Wirkung auf die Investitionsnachfrage der Unternehmen.

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