"Neue Zeit" Kommentar: "Nicht beißen" (von Günther Gruber)

Ausgabe vom 3. 5. 2000

Graz (OTS) - Führer der FPÖ bleibt auch als einfaches Mitglied Jörg Haider. Nachdem die neue Bundesobfrau der Freiheitlichen das klargestellt hatte, wurde der Vizekanzlerin ihr Regierungschef von dessen Dompteur am Halsband vorgeführt: "Neben Susi wird ein Strolchi sein", schilderte der FPÖ-Führer das künftige Verhältnis an der Spitze der österreichischen Bundesregierung. Strolchi sei übrigens durchaus von Nutzen, weil er als Kanzler jenen Proporz wegräumen müsse, den er selbst mit verursacht habe. Offenbar sieht Haider in Wolfgang Schüssel auch so einen Hund, der die Hand nicht beißen darf, die ihn füttert, sonst könnte er bald Kanzler gewesen sein. Einen Tag, nachdem Susi den Strolchi an die Leine gelegt bekam, erklärte sie auch gleich, dass sie in der Regierung "klare Worte" finden werde und stellte das von der ÖVP als Wahlschlager getrommelte Karenzgeld für alle ebenso in Frage wie Finanzminister Karl-Heinz Grasser. Weiters will sie den Beamten, einer mehrheitlichen ÖVP-Klientel, bei der Pensionsreform gleich doppelt so viel wegnehmen, wie bisher angekündigt. Und wie verhält sich der Bundeskanzler dieser Republik ob der kaum noch zu zählenden Demütigungen seiner Person und seiner Partei? Er apportiert unermüdlich Aussagen von "guter Zusammenarbeit" und vom "Positions- und Programmwechsel" der FPÖ. Die ÖVP kann doch nicht wirklich so auf den Hund gekommen sein, dass ihr Obmann nur um des Kanzlersessels willen sogar schon Tiervergleiche akzeptiert.

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