Busek: Osterweiterung wird EU auch durch geistige Werte bereichern !

Forderung nach europäischem Wertekatalog bei Pyramidengespräch am Stadtfest

Wien, 30.4.2000 - Zu einer Podiumsdiskussion unter dem Motto "Mitten in Europa - vom Geist der europäischen Wertegemeinschaft" begrüßte Gastgeber Vizebürgermeister Dr. Bernhard Görg am 17. Wiener Stadtfest in der gläsernen Pyramide am Michaelerplatz eine prominente Runde. Prof. Dr. Rudolf Bretschneider, Dr. Erhard Busek, Dr. Alina Lengauer, Richard Nickl, Mag. Gottfried Oehl und a.o. Univ. Prof. Dr. Helmuth Vetter diskutierten über nicht-materielle Aspekte eines vereinten Europa.
Die EU wurde in der letzten Zeit nur ökonomisch diskutiert, eine gemeinsame Definition von Werten fehlt bislang. Doch die Herangehensweise dazu, die Durchführung, der Konsens und in der Folge die allgemeine Akzeptanz, verspricht ein schwieriger Weg zu werden. "Es kann keine Stelle für den europäischen "Urmeter" der Werte geben" skizziert Rudolf Bretschneider zum Einstieg. Relativ leicht erscheint es noch, den Wert als solches zu definieren - wie beispielsweise den Wert "Friede". Ungleich schwerer ist es aber, wie dieser Wert im Einzelfall zu erhalten ist. Er warnt auch davor, dass im Zusammenhang mit der Festlegung von Werten Autoritarismus durchschimmern könne. Für Erhard Busek, der im August 2000 im Forum Alpbach zu einer großen Wertediskussion aufgerufen hat, besteht eine starke Erwartungshaltung nach einem europäischen Wertekatalog: "Neben der Definition wird sich auch die Frage eines Rankings der Werte stellen, der Bedeutung von Werten in kleinen Gemeinschaften und übergeordneten Sozietäten." Werte hätten dann eine Chance, wenn es zu einer Solidarität mit ganz Europa kommt, in dem auch kleine Staaten ebenso akzeptiert sind wie die Großen. In der Osterweiterung liegt die Möglichkeit, Europa verstärkt auch durch geistige - und nicht nur durch materielle Werte zu bereichern.
Da im EU-Vertrag keine Grundrechte enthalten sind, hält es Alina Lengauer für notwendig, Werte nicht nur als Gut zu definieren sondern auch zu kodifizieren und damit einklagbar zu machen.
Richard Nickl weist darauf hin, dass Werte auch veränderlich sind, sich im Wandel befinden und immer eines aktuellen Konsenses der Gesellschaft bedürfen. Toleranz, Diskussion und aufeinander zugehen wären wesentliche Voraussetzungen.
Gottfried Oehl hält es für besonders wichtig, junge Menschen auf den Dialog vorzubereiten: "Informationssicherung ist Friedenssicherung, der Beitrag des Internets in diesem Zusammenhang ist eine wichtige Möglichkeit."
Da es keine objektiven Werte gibt, erscheint für Helmuth Vetter der qualifizierte Konsens die bestmögliche Lösung. Wenn man nicht selbst redet, würden andere reden. Eine Bewusstseinsbildung und Thematisierung wären wichtig. In diesem Zusammenhang würden sich auch viele neue Fragen ergeben, beispielsweise nach einer ökologischen Ethik oder einer ökologisch gerechten Verteilung.

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