Gründler: "Defizit verhinderte Psychotherapie auf Krankenschein"

Vizepräsident des Hauptverbandes: Angesichts von Milliardendefiziten der Kassen neue teure Leistungen kaum möglich

Wien (PWK) - "Angesichts der Milliardendefizite, die den Krankenkassen heuer und im kommenden Jahr drohen, habe ich ein großes Verständnis für jene Krankenversicherungsträger, die aus finanzieller Vorsicht der Einführung einer teuren Psychotherapie auf Krankenschein nicht zustimmen konnten." Für Manfred Gründler, Vizepräsident des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger und stellvertretender Generalsekretär der Wirtschaftskammer, ist die ablehnende Haltung diverser Krankenversicherungsträger durch eine kaufmännische Sorgfaltspflicht gut begründet: "Wenn eine Familie Schulden hat, dann wird sie aus gutem Grund nicht über neue Ausgaben nachdenken, sondern darüber, mit welchen Einsparungen die Mehrausgaben gedeckt werden können, mit welchen Kosteneinsparungen die Schulden zurückbezahlt werden können. Warum sollen Krankenkassen nicht wie jede Familie handeln? Alles andere wäre nur schwer verständlich."

Für Gründler geht daher die Kritik der Psychotherapeuten und von FPÖ-Staatssekretär Waneck am entsprechenden Abstimmungsverhalten der Krankenversicherungsträger ins Leere: "Anders als behauptet haben nicht ÖVP-dominierte Kassen die notwendige Beschlussfassung verhindert. Es war die finanzielle Sorgfaltspflicht mehrerer Selbstverwaltungen, die es nicht zugelassen hat, dass durch zusätzliche Ausgaben das bereits vorhandene Defizit noch gezielt vergrößert wird."

Für Gründler hat nun die finanzielle Gesundung der "kranken Kassen" oberste Priorität. Wenn dies durch einen Maßnahmen-Mix geschehen sei, könne man in einem zweiten Schritt die neue Versicherungsleistung einer Psychotherapie auf Krankenschein selbstverständlich beschließen. Gründler: "Eine seriöse Finanzpolitik bedeutet, dass man zuerst nachdenkt, wie eine Leistung, die ausgeweitet werden soll, finanziert werden kann. Unseriös und alte Politik ist es, zuerst eine teure Ausgabe zu beschließen, ohne zu wissen, wie man sie bezahlen soll."

So wie für den Generalsekretär der Wirtschaftskammer, Günter Stummvoll, ist es auch für Gründler undenkbar, dass Beitragssenkungen in den Wirtschaftskammern den maroden Krankenkassen und nicht den Mitgliedern zugute kommen sollen: "Einsparungen dürfen nicht für die roten Bilanzen der Krankenkassen zweckentfremdet werden, sondern werden so wie in der Vergangenheit im Sinn einer Lohnnebenkostensenkung in Form von niedrigeren Beiträgen ausschließlich den Mitgliedern zugute kommen. So ist es kammerintern vorgesehen".

Auch die von FPÖ-Staatssekretär Waneck angesprochenen (und später als Fehlinterpretation wieder zurückgenommenen) Beitragserhöhungen bei den Krankenkassen lehnt Gründler ab, solange nicht alle sinnvollen Einsparungsmöglichkeiten und die (laut Koalitionspakt vorgesehenen) Selbstbehalte bei Arzt- und Ambulanzbesuchen umgesetzt sind. Waneck möge sich an den Koalitionspakt halten, dann sei eine Krankenkassensanierung ohne Beitragserhöhung für Arbeitnehmer und Arbeitgeber möglich. (RH)

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