DER STANDARD bringt in seiner Donnerstag-Ausgabe einen Kommentar über das Scheitern der Verhandlungen für Psychotherapie auf Krankenschein: Patienten, bitte warten - Martina Salomon

Wien (OTS) - Diese Woche sind die Verhandlungen für eine flächendeckende Psychotherapie auf Krankenschein gescheitert - ein ganzes Jahrzehnt nach dem ersten Beschluss im Nationalrat. Es wird daher noch eine Weile den Begüterten vorbehalten bleiben, Psychotherapie in Anspruch zu nehmen. Alle anderen müssen sich auf lange Wartelisten in Kassenambulatorien setzen lassen - ohne die Möglichkeit, den passenden Therapeuten selbst auszusuchen. Bei Kindern und Jugendlichen herrscht besonderer Mangel an therapeutischer Hilfe. Und das, obwohl Psychotherapie weit weniger als beispielsweise der Medikamentenverbrauch kostet. 1,1 Milliarden Schilling gibt die heimische Sozialversicherung jährlich nur für Psychopharmaka aus und lediglich 300 Millionen für Psychotherapie.

Der geplante Vertrag mit 415 Kassentherapeuten (ab April!) hätte 350 Millionen Schilling zusätzlich bedeutet. Dabei waren die Therapeuten fast bis zur Selbstaufgabe zu Konzessionen bereit. Denn der Vertrag hätte für sie hohe und teilweise nicht nachvollziehbare Hürden für einen Kassenvertrag vorgesehen.

Eigentlich waren es immer die Psychotherapeuten, denen man Unzuverlässigkeit vorwarf. Nun ist das Modell an einem Abstimmungsergebnis der Sozialversicherer gescheitert. Darf das wahr sein - nach einem Jahrzehnt des Tauziehens? Die Krankenversicherungen von Beamten und Bauern sowie die Gebietskassen in Tirol und Vorarlberg haben ein Veto eingelegt. Das ist unverständlich, weil es ein Modell gab, nach dem sie vom Gesamtvertrag ausgenommen worden wären. Möglicherweise war das eine politische Entscheidung (schwarze Kassen gegen roten Hauptverband), die vorerst zu Ungunsten der Beitragszahler ausgegangen ist. Nun müssen die einzelnen Kassen nach Alternativen suchen. Patienten, bitte warten ...

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