Bondy für Aufhebung der EU-Sanktionen - Für parteienübergreifenden Zusammenschluss von Leuten "die Van der Bellen bis Grasser heißen können" - Rücktritt bei

blauem Wiener Kulturstadtrat - Schlingensief-Aktion bei den Festwochen - Pläne an der "Burg" NEWS-Vorausmeldung

Wien (OTS) - Luc Bondy, Regisseur der Weltelite, designierter Alleinintendant der Wiener Festwochen und einer der Exponenten der Demonstrationen gegen Blau-Schwarz, fordert das Ende der EU-Sanktionen gegen Österreich. Das meldet das Wochgenmagazin NEWS in seiner morgen erscheinenden Ausgabe.

Bondy zu NEWS: "Meine Ablehnung von Blau-Schwarz (wegen Blau!) hindert mich nicht, die Sanktionen der einzelnen EU-Länder fragwürdig zu finden. Eine Mahnung und dann Maßnahmen, wenn antidemokratische Dinge geschehen würden: ja. Aber prophylaktische Strafen schüren Aggressionen, die zu mehr Nationalismus führen. Warum sollte daran die Koalition zerbrechen? Apropos Sanktionen: Eine Beobachtungsstelle müsste eingerichtet werden, die über die Parteigrenzen hinaus auf xenophobische Ausschreitungen aufmerksam macht. Da wären in Europa nicht nur rechts stehende Politiker dran. Erinnern Sie sich an einen Innenminister, unter dem immerhin ein Afrikaner umgebracht wurde, und der nicht zurückgetreten ist."

Bondy über Haiders Anti-EU-Szenarien: "Haider als Populist und Antidemokrat war immer gegen Europas Vereinigung. Doch die Äußerungen der letzten Tage gehören nicht zu seinen schockierendsten Gedanken. Dass eine Relation zwischen Verlust durch Sanktionen und Beitrittsgeld geschaffen werden soll, ist doch verständlich, wenn man sich nicht als Masochist versteht."

Bondy auf die Frage, ob die Regierung bis zum Ende der Legislaturperiode im Amt bleiben solle: "Ich hoffe, es sieht irgendwann, mal anders aus. Vielleicht ist die Zeit der Parteien zu Ende, überall. Es müssten neue Begriffe für Politik geschaffen werden, und dort könnten sich Leute zusammenfinden, die Van der Bellen bis Grasser heißen könnten."

Sollte es zu einem blauen Kulturstadtrat in Wien kommen, werde er zurücktreten, sagt Bondy: "Man würde mit Recht von mir erwarten, dass ich mit jeder Produktion gegen die Blauen agiere. Dieses Peymannsche Verfahren, meine ganze Energie in die Tagespolitik zu investieren, interessiert mich nicht."

Für die kommenden Wiener Festwochen hat Bondy den deutschen Regisseur Christoph Schlingensief zu einem "politischen Happening gegen Xenophobie" auf den Albertinaplatz verpflichtet. "Ich habe ihm aber vorgeschlagen, dass sich das nicht nur auf Österreich bezieht, sondern auf alle Länder, wo so etwas stattfindet."

Als Regisseur hat sich Bondy an Klaus Bachlers "Burg" verpflichtet: Ende Oktober wird er dort die Welturaufführung des Stücks "Drei Versionen vom Leben" von Yasmin Reza ("Kunst") herausbringen. Susanne Lothar, Andrea Clausen, Ulrich Mühe und Sven-Eric Bechtolf werden spielen.

Gerard Mortier, von dessen Salzburger Festspielen er einst nicht im Guten geschieden ist, beurteilt er so: "In mir kämpfen zwei Beurteilungen. Unser Streit war tief, und ich habe noch nie jemanden erlebt, der so nachtragend ist wie Mortier. Es ist eindeutig besser, sein Freund als sein Feind zu sein. Aber andererseits halte ich ihn für einen der besten Festivaldirektoren Europas, großartig, antiprovinziell. Ich habe ihn auch überredet, sich seinen Rücktritt zu überlegen. Leider hatte er nicht die Größe, einzubekennen, dass ich dazu beigetragen habe. Er hat Kunstverständnis und Energie. Was ihm fehlt, ist menschliche Größe."

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