"Neues Volksblatt" Kommentar: "Dilettantisch" (Von Franz Rohrhofer)

Ausgabe vom 26. 4. 2000

Linz (OTS) - Der kommende SPÖ-Vorsitzende Alfred Gusenbauer hat offensichtlich erkannt, dass ihm die Zeit davonläuft. Er muss bis zu seiner definitiven Wahl dieses Wochenende den Schwenk seiner Partei in Sachen EU-Sanktionen hinbekommen und gleichzeitig die FPÖ anschütten, ehe diese sich einen Tag später eine neue Vorsitzende wählt. Dilettantisch ist allerdings die Reaktion Gusenbauers auf diese Erkenntnis. Das "fundamentale Angebot an die Regierung" in der Haltung zu den EU-Sanktionen ist ein peinliches Nachhinken, weil die Bevölkerung mehrheitlich schon längst anders denkt. Und Frau Riess-Passer können bisher keine "inakzeptablen Äußerungen" nachgewiesen werden. Als gewählte FP-Vorsitzende sollte sie auch die Zivilcourage aufbringen, sie bei anderen Spitzenpolitikern ihrer Partei nicht mehr zu dulden. Die SPÖ könnte also ohne Probleme heute im Parlament dem VP-FP-Antrag gegen die EU-Sanktionen zustimmen, würde Gusenbauer nicht dringend ein Erfolgserlebnis für den Parteitag brauchen. Übrigens ein sehr bescheidenes Erlebnis, das glasklar beweist, dass der neuen SPÖ-Hoffnung außer gegen Schwarz-Blau zu sein kaum etwas eingefallen ist. So wenig also heute der Antrag gegen die EU-Sanktionen ändern wird, für Alfred Gusenbauer wird er demaskierend sein.

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