Das WirtschaftsBlatt: "Staatsfinanzen: Zeit für ein allgemeines Schuldenbekenntnis" von Jens Tschebull

Ausgabe vom 21.4.2000

Wien (OTS) - Der Finanzminister muss sparen. Die Frage ist nur,
auf wessen Kosten. Natürlich auf Kosten der gesamten Bevölkerung. Denn alle Österreicher waren - und sind - die Nutzniesser der Schuldenpolitik der Regierungen, die wir gewählt hatten. Die abgetretenen Politiker sind die Haupttäter, aber wir sind die Mitverantwortlichen, die augenzwinkernd die Hand aufgehalten haben. Und je älter wir sind, desto länger haben wir schuldenfinanzierte Wohltaten in Anspruch genommen. (Allein deshalb besteht keinerlei Anlass, die Pensionisten, die am längsten an den Staatsschulden mitgenascht haben, von den Sparaktionen auszunehmen.) Alle fahren auf schuldenfinanzierten Autobahnen ins Grüne, alle haben, wenn sie zur richtigen Zeit im richtigen Alter waren, Kreiskys Kopulationsprämie von 15.000 Schilling (Heiratsgeld) eingesackt, oder - früher noch -eine "Wohnbeihilfe" von 30 Schilling vernascht, die aus rätselhaften Gründen jedem Lohempfänger zustand. Fast jeder war in irgendeinem Verein, der von irgendeinem Ministerium mit leichter Hand 100.000 Schilling oder auch eine Million zugesteckt bekam, obwohl diese öffentliche Hand gleichzeitig Schulden aufnehmen musste.

o Gratisschulbücher? - bitte sehr, bitte gleich!
o Ermässigte Bahntarife? - Natürlich!
o Eine Rutschpartie auf subventionierten Skipisten? - Sport ist gesund.

Wirtschaftsförderung, Sportförderung, Jugendförderung, Altenförderung, Bildungsförderung, Wohnbauförderung. Es gibt keinen Österreicher, an dessen Fingern nicht auch Staatsschuldengeld klebt. Alle Bürger haben, je nach Alter verschieden lang, den Wirtschaftsaufschwung der letzten 50 Jahre miterarbeitet. Aber eben nicht nur "die Früchte ihrer Arbeit", sondern mehr geerntet: Gratis sind sie zur Schule gegangen, durch Staatsschulden finanziert auf Kur gefahren. Was wir jetzt in mehr oder weniger gerechten Notbremsaktionen durch Verzicht oder Mehrbelastung aufbringen müssen, ist kein Raubzug des Finanzministers, sondern die überfällige Rückzahlung von Schulden, die im wesentilchen für uns alle aufgenommen wurden.In einer Zeit der öffentlichen Schuldbekenntnisses wäre auch ein allgemeines Schuldenbekenntnis aller Bürger und Nutzniesser des Schuldenmacherstaates angebracht. Die Bürger sind auch die Bürgen des Staates, der sie auf Pump überernährt hat. (Schluss) JT

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