"Kleine Zeitung" Kommentar: "Rote Markierung" (von Günter Lehofer)

Ausgabe vom 20.04.2000

Graz (OTS) - Manchmal rutscht etwas heraus, was alle wissen, aber dennoch gerne verhüllen möchten. So schrieb der aufrechte deutsche Sozialdemokrat Rudolf Scharping den Genossen nach Wien, die Sanktionen der vierzehn EU-Staaten sollten die Koalition stürzen. FPÖ raus und SPÖ rein, heißt das in klarer roter Markierung.

Bisher konnte man moralisch hoch und wörtlich feinsinnig hören, dass Europas Wertesystem in Wien in die Donau gekippt würde. Da müsse man von außen rettend eingreifen. Zum Wohle der Österreicher, versteht sich. Dass sich beim erfolgreichen Eingriff die SPÖ einen Happen an Macht wieder holen müsse, das sagte man erst jetzt so deutlich.

Aber das Leben spielt manchmal auch den besten Absichten übel mit. Die gutwilligen Retter gefährden ihr Objekt. Aber vielleicht sind die europäischen Sozialdemokraten auch der Meinung, dass ihre österreichischen Kollegen eine solche Rosskur benötigen, um europareif zu werden. Europareif bedeutet hier: Haider und die FPÖ in der Wählergunst ausstechen. Vielleicht will die SPE die SPÖ auch nur strafen, weil sie gegen Haider keinen Stich gemacht hat. ****

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