"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Schuss nach hinten" (von Gabi Starck)

Ausgabe vom 19. 4. 2000

Innsbruck (OTS) - Der Staat muss sparen. Und der Zivildienst muss reformiert werden, gewiss. Doch können sich die Österreicher die gestern von Innenminister Ernst Strasser verkündeten Kürzungen eigentlich leisten? Den Gürtel enger schnallen müssen nun vor allem die Zivildiener selbst. Ihr Entgelt wurde beinahe halbiert - auf 3648 Schilling. Von den darin enthaltenen täglichen 43 Schilling fürs Essen kann sich niemand ernähren. Da nur wenige Organisationen eine Verpflegung wie das Bundesheer bieten, wird der Dienst abseits der Waffe ohne elterliche Unterstützung zur Existenzbedrohung.

Bedrohlich ist die Situation auch für viele jener 17.000 jungen Männer, die auf der Warteliste stehen. Arbeitgeber reißen sich nicht um Bewerber ohne abgeleisteten Dienst. Und je länger ein Anwärter auf seine Zuteilung warten muss, desto eher steigen auch seine eigenen Fixkosten durch Hausstands- oder Familiengründung.

Teurer kommt die Neuregelung aber auch den Steuerzahler. Ein eingesparter Zivildiener verringert die Arbeit nicht. Viele müssen ersetzt werden, und das meist durch Anstellungen, die weitaus mehr kosten.

Außerdem kosten die Einsparungen in vielen Bereichen ein Stück Menschlichkeit. Ein Beispiel: Das Argument, in Pflegeheimen dürften die Zivildiener laut Gesetz mit ihren Schützlingen ohnehin nur spazieren gehen oder sie füttern, verfolgt den falschen Ansatz. Die Zivildiener bieten den Menschen damit auch persönliche Ansprache, die ihnen ausgebildete Pfleger aus Zeit- und Personalmangel nur selten geben könnten. So gesehen kann sich Österreich beim Zivildienst Einsparungen ohne durchdachte Reform nicht nur finanziell nicht leisten.

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