"profil": Vatikan kritisiert Österreichs Bischöfe

Rom lehnt in Geheimbrief Vorschläge der Bischofskonferenz zu "Bischofsernennungen" ab - Praxis in der Diözese Graz wird als "ungültig" bezeichnet

Wien (OTS) - Wie das Nachrichtenmagazin "profil" in
seiner Montag erscheinenden Ausgabe berichtet, haben die österreichischen Bischöfe anlässlich ihrer
Frühjahrskonferenz einen fünfseitigen Brief aus dem
Vatikan erhalten. Verfasser ist der Präfekt der Bischofskongregation Lucas Moreira Neves. Neves geht in
dem Schreiben auf die Vorschläge der österreichischen
Bischöfe betreffend der vatikanischen Praxis der Bischofsernennungen ein.

Vergangenen Herbst hatte der Innsbrucker Bischof Alois
Kothgasser die Vorschläge, die dem "Dialog für Österreich" entstammen, nach Rom übermittelt. Die konkreten
Forderungen des österreichischen Bischofs: Die Priester
und Laien eines Landes sollten mehr Mitsprache bei Bischofsernennungen erhalten. Der Pontifex maximus
wurde "ersucht", bei der Ernennung von Bischöfen nur
einen Kandidaten aus den von Ortskirchen eingereichten
Listen zu wählen.

Im Schreiben des Präfekten Neves, das laut "profil" den
Vermerk "geheim" trägt, wird all diesen Forderungen eine
eindeutige Abfuhr erteilt. Besondere Brisanz birgt das
vatikanische Schreiben laut "profil" auch bezüglich des
Grazer Bischofs Johann Weber: Seine Praxis der Ermittlung
geeigneter Nachfolgekandidaten wird von Bischofspräfekt
Neves schlichtweg verboten. Weber hat in seiner Diözese
vor einigen Jahren einen eigenen Wahl- und
Konsultationsmechanismus eingeführt, bei dem er
periodisch durch eine Befragung von Diözesanrat,
Domkapitel und Priesterrat geeignete Kandidaten für seine
Nachfolge ermittelt und diese Liste dann nach Rom schickt.

Laut "profil" stellt Neves dazu wörtlich fest, dass diese Vorgehensweise in der Bischofsnachfolge "ungültig und zu widerrufen" sei.

Erich Leitenberger, der Sprecher von Kardinal Christoph
Schönborn, kommentierte den römischen Brief gegenüber
"profil" zurückhaltend: "Was aus dem Vatikan gekommen
ist, ist keine endgültige Antwort. Die Gespräche gehen
weiter."

Der St. Pöltner Bischof Kurt Krenn versichert gegenüber
"profil" hingegen seine Zustimmung zum Schreiben von
Präfekt Nevesf. Krenn: "Ich werde sicher hinter den
Antworten stehen, die Rom auf den Dialog gibt." Weiters
meint Krenn: "Die Frage der Bischofsernennungen ist eine
Frage der Ordnung der Kirche. Die Entscheidung über die
Ernennung eines Bischofs liegt ausschließlich beim Papst
und das soll auch so bleiben."

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