Nussgraber-Schnabl: Frauen brauchen eine starke Lobby

Metallerinnen und Textilerinnen gegen Belastungen von Frauen

Wien (Gewerkschaften Metall-Bergbau-Energie und Textil, Bekleidung, Leder/ÖGB). "Es genügt nicht zu sagen, dass viele Frauen in der Regierung vertreten sind, das ist nicht unser Verständnis von Frauenpolitik", sagt Erika-Nussgraber-Schnabl, Frauenvorsitzende der Metallergewerkschaft bei der Frauenkonferenz der Gewerkschaften Metall und Textil am Samstag in Wien. "Im Gegenteil: Die Frauen, die in der Regierung vertreten sind, tragen die Entscheidung, das Frauenministerium abzuschaffen, voll mit. Sie tragen auch Entscheidungen mit, die gegen die Frauen gehen." ++++

"Frauen sind nun einmal nach wie vor benachteiligt, im Beruf und gesellschaftlich", so Nussgraber-Schnabl. "Darum brauchen sie eine starke Lobby, die zur Artikulierung und Durchsetzung ihrer Anliegen beiträgt. Diese Funktion hat bisher das Frauenministerium erfüllt, in der jetzigen Regierung ist das offensichtlich niemandem ein Anliegen."

Dass die neue Sozialministerin, in deren Zuständigkeitsbereich auch die Frauen fallen, sicherlich nicht die Lobby der Frauen ist, habe sie selbst zur Genüge bewiesen. "Mit ihrer Aussage, der beste Kinderbetreuungsplatz sei die Familie, macht Sickl nicht nur deutlich, welche Rolle sie den Frauen zugedacht hat, sie disqualifiziert auch die vielen guten Kinderbetreuungseinrichtungen mit ihrem engagiertem Personal."

Oberstes Ziel müsse weiterhin eine erfolgreiche Beschäftigungspolitik sein. "Konsequente Beschäftigungspolitik ist zugleich Frauenpolitik, denn sie sorgt dafür, dass Frauen Bedingungen am Arbeitsmarkt vorfinden, die ihnen alle Chancen eröffnen, die auch die männlichen Kollegen haben", sagt Nussgraber-Schnabl. Dazu gehören Qualifizierungsmaßnahmen, Wiedereinsteigerinnen-Programme, Frauenförderpläne in den Betrieben oder sozialrechtlich abgesicherte Arbeitsplätze genauso wie ausreichende und qualitativ hochwertige Kinderbetreuungseinrichtungen mit sozial abgesichertem Personal. "Wenn man glaubt, Frauen in eine Ecke drängen zu können oder wenn man die Probleme am Arbeitsmarkt dadurch lösen will, dass man die Frauen nach Hause zu den Kindern schickt, dann wird man mit dem Widerspruch der Gewerkschafterinnen rechnen können", sagt Nussgraber-Schnabl.

ÖGB, 15. April 2000 Nr. 273

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