"Neues Volksblatt" Kommentar: "Opfer - Täter"

(Von Christian Buchar) Ausgabe vom 15. April

Linz (OTS) - Gebürtige Österreicher waren in der NS-Verbrechensmaschinerie Täter und Opfer. Darüber besteht ebenso wenig Zweifel, wie daran, dass es einem natürlichen Rechtsempfinden entspricht, Opfer zu entschädigen - und zwar ordentlich. Die 260-Milliarden-Schilling-Klage Ed Fagans ist aber gleich aus mehreren Gründen fragwürdig: Sie platzt mitten in laufende Verhandlungen und offenbart damit zumindest schlechten Stil. Sie verknüpft Arisierungen mit Entschädigungen für Zwangsarbeiter und verkompliziert damit die Materie. Die mögliche Folge: Die Auszahlung von Entschädigungen für Zwangsarbeiter, die Österreich noch heuer beginnen wollte, könnte sich dadurch verzögern - was wohl kaum im Interesse der Opfer sein kann. Und schließlich: Sie erscheint maßlos überzogen. Zum Vergleich:
Mit Deutschland haben sich die Opfer-Anwälte auf 70 Milliarden Entschädigung für Zwangsarbeiter geeinigt. Für Österreich hielten selbst Vertreter jüdischer Organisationen etwa ein Zehntel davon für angemessen. Nochmals: Es ist eine Frage des Anstands, dass Österreich Opfer entschädigt. Es ist aber auch eine Frage des Anstands, Opfer nicht dazu zu nutzen, um gegen eine international ungeliebte Regierung, Fagan hat das indirekt sogar bestätigt, neuen Druck zu machen.

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