Pressestimmen/Vorausmeldung/Politik "Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Fagan schürt den Antisemitismus

Ausgabe vom 15.4.2000

Österreich gilt laut Jalta als Opfer der deutschen NS-Politik. Unser Land ist auch nicht Rechtsnachfolger des Hitler-Regimes. Sämtliche unmenschlichen Handlungen zwischen 1938 und 1945 erfolgten im Namen der Nazi-Regierung. Das sind die papierenen Fakten. Freilich, wir wissen, dass wir nicht nur Opfer, sondern auch Täter waren. Nicht nur, dass eine begeisterte Mehrheit dem Braunauer zugejubelt hatte, finden sich unter den Kriegsverbrechern viele Österreicher.

Kann man Schuld mit Geld sühnen? Deutschland hat es gemacht, Österreich versucht es im Falle der Zwangsarbeiter. Maria Schaumayer verhandelt mit der US-Administration und mit den betroffenen Ostländern über Entschädigungen, die den Opfern direkt zugute kommen und nicht via Anwälte verteilt werden sollen. Nimmt man Deutschland als Beispiel, das gemeinsam mit der Wirtschaft 70 Milliarden Schilling zahlt, kämen auf Österreich etwa fünf bis zehn Milliarden. Ein Betrag, mit dem sich die Bevölkerung als moralische Wiedergutmachung abgefunden hatte. Ohne Murren, sieht man von Stammtischmaulereien ab.

US-Anwalt Fagan hat jetzt eine Sammelklage eingebracht. Er will von der Republik 260 Milliarden Schilling. Absurd. Einmal, weil wir diese riesige Summe nie aufbringen könnten, zum anderen, weil niemand dafür Verständnis hätte, dass sich ein paar Rechtsanwälte auf Kosten der Opfer und der heimischen Steuerzahler bereichern. Die Empörung der Österreicher ist gewaltig. Fagan spielt damit indirekt jenen in die Hände, die den Antisemitismus in diesem Lande schüren.

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