WirtschaftsBlatt über Fagan Fagan-Klage: Bühnenreife Selbstdarstellung von Peter Muzik

Wien (OTS) - Die von US-Anwalt Ed Fagan eingereichte Sammelklage gegen österreichische

Unternehmen und die Regierung braucht fürs erste niemanden sonderlich aufzuregen. Gleichwohl gilt es das Motiv für die Klage zu hinterfragen. Diese enthält bekanntlich Forderungen für Zwangsarbeit und Arisierungen während der NS-Zeit. Als Entschädigung verlangt Fagan rund 260 Milliarden Schilling. Diese Summe wurde offenbar willkürlich aus dem Hut gezaubert. Denn die Historikerkommission hat ihren Bericht über die Arisierungen noch nicht fertig. Bis dahin können also über den Wert des enteigneten jüdischen Vermögens nur Spekulationen angestellt werden. Übrigens: In Deutschland haben Regierung und Konzerne 70 Milliarden Schilling für die Entschädigung von Zwangsarbeitern und Arisierungsopfern bezahlt. Warum Fagan von den Österreichern das Vielfache verlangt, ist unklar. Eine mögliche Antwort gibt er aber selbst: Er habe die Klage "in Hinblick auf die derzeitige Lage in Österreich" eingereicht. Zwar entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet eine FPÖ, die sich von der braunen Vergangenheit nicht so recht zu distanzieren weiss, sich jetzt als Regierungspartei mit den Verbrechen der NS-Zeit auseinander setzen muss. Aber Fagans Hinweis klingt in Zeiten hysterischer Boykottmassnahmen doch ziemlich nach politischer Lynchjustiz. Ob Zufall oder nicht: Unter den geklagten Firmen befinden sich auch ÖIAG-Unternehmen, die mittelfristig restlos privatisiert werden sollen. Zieht sich die Causa aber in die Länge, werden internationale Investoren wegen möglicher Milliardenforderungen nicht gerade Schlange stehen. Zudem ist offensichtlich, dass es Fagan nicht nur um die Opfer, sondern auch um sich selbst geht. Denn die Regierungsbeauftragte Maria Schaumayr wollte ihn bei den Verhandlungen über die Zwangsarbeiter nicht dabei haben. Mit der Klage bringt sich der US-Anwalt aber automatisch ins Spiel. Das beeindruckt natürlich die Standeskollegen. Eine Wiener Anwältin hat bereits angekündigt, ebenfalls weitere Sammelklagen einbringen zu wollen.

So werden die NS-Verbrechen nach und nach zur Bühne für Advokaten mit gewissen Neigungen zur Selbstdarstellung. Ob den Opfern das hilft, rechtzeitig zu ihren mehr als berechtigten Ansprüchen zu gelangen, bleibt fraglich.

(Schluss) PM

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